Rudolstadt/Berlin – Nach Anfeindungen gegen eine indischstämmige Pfarrersfrau und deren Kinder in Rudolstadt steht Bürgermeister Jörg Reichl (parteilos) in der Kritik. Die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), warf ihm vor, das Problem der Fremdenfeindlichkeit zu verharmlosen. Es sei verfehlt, „so zu tun, als gäbe es in Rudolstadt keine Fremdenfeindlichkeit“, schreibt die Politikerin in einem Brief an den Bürgermeister. Göring-Eckardt stammt aus Thüringen.
Nach Medienberichten waren die Frau und ihre Kinder in der Stadt wiederholt Anfeindungen ausgesetzt. Ein Kind sei als „Nigger“ beschimpft, ein anderes verprügelt worden. Die Frau sei in einigen Geschäften nicht bedient worden. Deswegen sei die Familie 2007 ins Rheinland gezogen. Die Evangelische Kirche in Thüringen bestätigte die Darstellung.
Die Stadtverwaltung wehrte sich gegen „pauschale Vorwürfe der Fremdenfeindlichkeit“: „Mir sind keine außergewöhnlichen Vorkommnisse bekannt. Manches wird übertrieben. Hier herrscht keine Ausländerfeindlichkeit“, wurde Bürgermeister Reichl zitiert. Damit stieß er bei Göring-Eckardt auf heftige Kritik: Eine solche Bagatellisierung arbeite denen in die Hände, die Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung erreichen wollen. Reichl war gestern für eine direkte Stellungnahme nicht zu erreichen. red/dpa









