Erfurt - In Thüringen haben zuletzt fast dreimal so viele Menschen Hilfe wegen Spielsucht gesucht als noch im Jahr 2005. In die 29
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Die Büros in allen Landkreisen und ein auf Spielsucht spezialisiertes Zentrum in Erfurt bieten seit Inkrafttreten des deutschen Glücksspiel-Staatsvertrags verstärkt Prävention und Therapie an. Auch die Lottogesellschaft und die privaten Anbieter Casino Erfurt und Sportwetten Gera haben laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ihre Suchtprävention verstärkt. Das deutsche Glücksspielrecht war Anfang 2008 hinsichtlich der Suchtgefahr geändert worden.
Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass im Freistaat etwa 8000 Menschen krankhaft spielen, deutschlandweit sollen es mehr als 100.000 sein. Die Symptome sind Kontrollverlust und Entzugserscheinungen. «Die Betroffenen können einfach nicht aufhören, obwohl ihnen das Spiel eigentlich gar keinen Spaß mehr macht», sagte Ministeriumssprecher Thomas Schulz. «Die Folge ist, dass sie Haus und Hof verspielen und ihre Familien in die Armut treiben.» Vor allem die Angehörigen seien es deshalb, die Termine in den Beratungsstellen vereinbarten. Gefährdet sind nach jüngsten Studien vor allem Männer aus unteren und mittleren Bildungsschichten in der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen. Doch gebe es bei der Spielsucht, die seit 2001 von den Kassen als Krankheit anerkannt wird, eine hohe Dunkelziffer.
Ein Indiz für die wachsende Gefahr durch Glücksspiele sind nach Kirschners Ansicht die ständig wachsenden Einnahmen auf dem Glücksspielmarkt. Von 2005 bis 2007 sei an Geldspielautomaten in Deutschland ein Umsatzplus von knapp 30 Prozent erzielt worden. «Das Problem für Spielsüchtige sind die vielen Verlockungen im Alltag, das fängt beim Daddelautomaten in der Kneipe an», erklärte Kirschner. Das´Problem sei aber auch, dass der neue Staatsvertrag zum Schutz gegen die Spielsucht nur für Lotto und Online-Wetten gilt, aber nicht für Spielautomaten. Sie fallen unter das Gewerberecht und zählen als «Unterhaltungsgeräte mit Gewinnmöglichkeit» offiziell nicht zum Glücksspiel. Es gibt deshalb auch kaum Auflagen wie Jugend- und Spielerschutz oder Prävention.
Weil 80 Prozent der krankhaft Spielsüchtigen aber Automatenspieler sind, fordern Claudia Kirschner und ihre Therapeuten-Kollegen, dass die Offensive gegen Spielsucht auch auf die Spielhallen ausgedehnt wird. Aber das ist nicht einfach. Die Automaten unterstehen der Wirtschaftsverwaltung und hinter den Geldschluck-Maschinen steht eine mächtige Lobby. (dpa)


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