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Erfurt – Die kirchlichen Sozialverbände Diakonie und Caritas haben menschenwürdige Lebensbedingungen für Flüchtlinge in Thüringen angemahnt. In einem Schreiben an Innenminister Manfred Scherer (CDU) appellierten sie, die Residenzpflicht für Flüchtlinge zu lockern, eine qualifizierte Sozialberatung anzubieten und Mindeststandards für deren Unterbringung zu entwickeln, teilten beide Verbände gestern in Erfurt mit.
Schlechte Lebensbedingungen
Flüchtlingsverbände kritisieren seit längerem die aus ihrer Sicht schlechten Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Thüringen. Gestern veranstalteten sie in Erfurt eine Kundgebung, an der sich laut Polizei 30 Menschen beteiligten. Bewohner der Asylunterkunft Katzhütte forderten, die Einrichtung im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zu schließen.
Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in Katzhütte (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) hatten sich vor einem Jahr mit einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt und darin unter anderem Schimmel in den Unterkünften und Schikanen ihrer Heimleitung beklagt. Mit der Forderung nach einer Schließung des abgelegenen Heimes konnten sie sich bisher nicht durchsetzen. Unterstützt vom Flüchtlingsrat Thüringen fordern sie die Unterbringung in normalen Wohnungen. In die Kritik geraten sind auch die Heime in Gehlberg (Ilmkreis) und Apolda.
Die Proteste der Flüchtlinge zeigten, was für einem enormen psychosozialen Druck diese Menschen ausgesetzt seien, sagte der Chef der Diakonie Mitteldeutschland, Eberhard Grüneberg. Gerade die privaten Betreiber der Flüchtlingsheime zeigten wenig Interesse an einer menschenwürdigen Unterbringung.
Gelder für die Flüchtlingsbetreuung würden mitunter zweckentfremdet und nicht für die Sozialarbeit eingesetzt, erklärte Gesa Busche vom Diakonieverein Refugio. Neben baulichen Mängeln in den Heimen wurde kritisiert, dass Fremde in gemeinsamen Zimmern untergebracht werden, es oft keine abschließbaren Toiletten gebe und manchem Flüchtling gerade einmal sechs Quadratmeter zur Verfügung stünden.
Die Thüringer Grünen schlossen sich der Forderung der Verbände nach einer Schließung von Gemeinschaftsunterkünften an. Die Wohnbedingungen in den Bungalows von Katzhütte seien miserabel, sagte Grünen-Landessprecherin Astrid Rothe-Beinlich. Außerdem sei an einem solch abgelegenen Ort die Integration der Migranten nahezu ausgeschlossen. dpa/ddp/red


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