Erfurt - Die Hausbesetzer auf dem Gelände der in NS-Verbrechen verstrickten ehemaligen Firma "Topf & Söhne" in Erfurt
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Wer in der Erfurter Innenstadt wohnt, der wurde gestern Morgen möglicherweise von kreisenden Hubschraubern geweckt. Mit Luftunterstützung waren die Einsatzkräfte auf das Firmengelände vorgerückt. Anfang hatten die Hausbesetzer noch versucht, sie mit brennenden Barrikaden aufzuhalten, doch angesichts des Aufgebots eher ein Strohfeuer. Nur noch vereinzelt war danach der Ruf "Wir bleiben alle" zu hören, mit dem die Autonomen seit Wochen gegen die Räumung protestiert hatten.
Nach einem Gerichtsurteil wurde der geschichtsträchtige Ort, der linken Autonomen seit Jahren als Treffpunkt gedient hatte, geräumt. Vier Stunden brauchten die Beamten - von denen mehrere Hundert aus Thüringen, Sachsen, Bayern und Hessen im Einsatz waren - um alle der 50 bis 60 Hausbesetzer aus den baufälligen Gebäuden zu holen. Die Räumung, bei der es laut Polizei keine Verletzten gab, setzte den Schlusspunkt unter jahrelange Querelen um die Nutzung des Areals.
Vor fast genau acht Jahren hatten alternative Linke einen Teil des ehemaligen Firmengeländes okkupiert. Dort hatten einst Ingenieure von "Topf & Söhne" die Verbrennungsöfen und Teile der Gaskammern für die NS-Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald konstruiert. An dieses düstere Kapitel soll künftig eine Gedenkstätte erinnern, die bis 2011 in dem einstigen Verwaltungsgebäude von der Stadt geplant ist. Eigentümerin der Industriebrache ist seit 2007 die Domicil Hausbau GmbH aus Mühlhausen. Sie will ein Gewerbe- und Wohngebiet errichten und hatte die Besetzer bisher geduldet. Obwohl seit November 2008 die Abrissbirne kreist, weigerten sich die meist jugendlichen Besetzer beharrlich, den Ort zu verlassen.
"Die Hausbesetzer schlugen alle von der Stadt angebotenen Alternativobjekte aus, weil sie die geforderte Gründung eines Vereins ablehnten", sagte CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Michael Panse. Anfang April hatte das Landgericht Erfurt die Räumung des Geländes verfügt. Die Gerichtsvollzieherin, die das Urteil umzusetzen hatte, forderte die Polizei an. "Eigentlich hätte das Problem politisch und nicht polizeilich gelöst werden müssen", kritisierte der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Linken, Roland Hahnemann. Damit verschwinde ein linkes, alternatives Projekt, mit dem einiges auf die Beine gestellt worden sei.
Waffenarsenal aus Hämmern und Nagelbomben entdeckt
"Es hat fast keinen Widerstand gegeben", sagte Polizeisprecher Manfred Etzel nach dem Einsatz. Obwohl die polizeiliche Räumung erwartet wurde, kam sie für die Autonomen scheinbar überraschend. Eilig errichteten Besetzer aus Müll eine brennende Straßenblockade. Zwei Streifenwagen wurden mit Steinen demoliert. 30 Menschen beteiligten sich an einer Sitzblockade. "Sie wurden einzeln vom Gelände getragen." Ein Pärchen hatte sich an einen Betonklumpen gekettet und musste von der Polizei mühsam befreit werden. Zwei Hausbesetzer wurden vom Dach geholt. Auf dem Areal, über dem ein fauliger Geruch hing, stellten Polizisten zwischen Bergen von Unrat, Schrott, aufgetürmten alten Reifen und Einkaufswagen mit leeren Flaschen ein beachtliches Waffenarsenal sicher.
"Wir haben unter anderem Molotowcocktails, Nagelbomben, Hämmer, Äxte, eine Schleuder, Pflastersteine, eine Machete, Luftgewehr und Baseballschläger gefunden", berichtete der Polizeisprecher. Erst am Vortag sei ein Aufklärungshubschrauber der Polizei über dem Gelände mit Feuerwerksböllern beschossen worden. An die Besetzer wird nach der Räumung nichts mehr erinnern: Nach der Polizei rückten die Abrissbagger an. red/dpa














