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Ressort Thüringen
Erschienen am 29.08.2009 00:00
Energiepolitik
Die Letzte macht das Licht nicht aus
Für Glühlampen wird es eng. Ab dem 1. September werden Händler nicht mehr mit 100-Watt-Birnen sowie mattierten Varianten beliefert. In der Wissenschaft leuchten sie weiter.
Von Cindy Heinkel

Ilmenau - Per Verordnung der EU-Kommission verschwinden

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Spot an: Christoph Schierz, Fachgebietsleiter Lichttechnik an der Technischen Universität Ilmenau, zeigt einen Versuchsaufbau mit unterschiedlich starken Glühbirnen.
Bild: ari
herkömmliche Glühlampen in den nächsten drei Jahren vom Markt. Die Begründung: Zu viel Energie werde verschwendet. Lediglich fünf Prozent des Stroms würden in Licht umgewandelt, der Rest entweiche als Wärme. Ein 130 Jahre alter Dauerbrenner soll so aus der Fassung gebracht werden.

Aussterben wird die Glühbirne an der Technischen Universität Ilmenau aber nicht, da ist sich Christoph Schierz, Professor am Fachgebiet für Lichttechnik, zu hundert Prozent sicher. "In der Lehre wird die Glühbirne nach wie vor eine Rolle spielen", sagt er. Schließlich müsse man die Technik und deren Entwicklung nachvollziehen können.

In der Grundlagenvorlesung bekommen die Studierenden also weiterhin beigebracht, wie eine herkömmliche Glühbirne funktioniert und welche Eigenschaften sie im Vergleich zu anderen Leuchtmitteln wie Halogenlampen oder Leuchtdioden hat.

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Der Abwicklungsplan der Europäischen Union für die klassischen Glühlampen. Grafik: Kubsch
Bild:  
Daneben beschäftigen sich die Lichttechniker in Ilmenau mit der Wiedergabe von Farben durch Licht unterschiedlicher Lampen. Die Glühlampe gelte - neben Tageslicht - bisher als Referenz für sehr gute Farbwiedergabe, weswegen Leuchtdioden oder Energiesparlampen bisher nicht als gleichwertiger Ersatz angesehen werden könnten. "Eine gute Farbwiedergabe ist aber zur Beurteilung von Lebensmitteln, im Druckereigewerbe, der Textilindustrie oder auch der Medizin unerlässlich", sagt Schierz. Aber was ist der perfekte Ersatz für die Lampe, die jetzt ausgeknipst wird? Christoph Schierz rechnet mit einem Innovationsschub in Forschung und Industrie: "In spätestens zwei Jahren wird es erste hochmoderne Beleuchtungen geben, die einen gleichwertigen Ersatz zum vertrauten Licht der Glühlampe liefern."

Bis es soweit ist, müssen sich Verbraucher entweder mit einem Glühlampenvorrat eindecken oder eben die Sparlampen reindrehen. Steigen alle Europäer auf Sparbirnen um - so hat es die EU-Kommission berechnet -, sparen sie jedes Jahr elf Milliarden Euro Stromkosten und 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

"Die Einsparmöglichkeiten von Energiesparlampen sind viel geringer als versprochen", schreibt die Zeitschrift Öko Test in ihrer Ausgabe vom Oktober 2008. Der Langzeit-Test von 32 Sparbirnen ergab ein überraschend negatives Resultat: spärliches Licht, höherer Energieverbrauch und geringere Haltbarkeitsdauer als deklariert, noch dazu Elektrosmog.

"Energieeinsparungen gibt es sicher, davon bin ich fest überzeugt", sagt Schierz. Jedoch müssten andere ökologische Faktoren des Glühlampenverbots gegengerechnet werden.

Bei billigen Energiesparlampen sei die Lebensdauer längst nicht immer die auf der Packung angegebene. Außerdem enthielten sie Quecksilber. Experten mahnen zur fachgerechten Entsorgung. Denn landet die Sparflamme wie bisher die Glühbirne im Haushalts- statt im Sondermüll, stellt sie ein erhebliches Umwelt- und Gesundheitsrisiko dar. Wer sich bei Energiesparlampen vor einem Entweichen des Quecksilbers im Falle des Zerbrechens schützen will, kann etwa im Kinderzimmer Lampen mit zusätzlicher Silikon-Ummantelung verwenden.

Dass von Sparlampen weitere Gefahren für Leib und Seele ausgehen, schließen offizielle Untersuchungen indes aus. Eine Studie im Auftrag des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit hat aktuell festgestellt, dass Energiesparlampen im Vergleich zu anderen elektrisch betriebenen Geräten eine unbedeutende elektromagnetische Quelle sind. Nachgewiesen seien laut Christoph Schierz jedoch die sogenannten biologischen Lichtwirkungen: "Je bläulicher das Licht ist, umso aktiver wird eine Person. Das kann sogar Einfluss auf die innere biologische Uhr der Menschen haben." Um mögliche Einschlafprobleme zu vermeiden, würde der 50-Jährige Physiker deshalb eher zu einer rötlich leuchtenden Energiesparlampe im Schlafzimmer raten. Im Arbeitszimmer dagegen eher zur bläulich strahlenden Version. Schierz selbst, der vor zwei Jahren von der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich nach Ilmenau wechselte, arbeitet unter 16 Leuchtstoffröhren in seinem Büro im Helios-Bau in der Ilmenauer Innenstadt.

Als Lichttechniker bedauert er das Glühlampenverbot: "Eine größere Palette an Lichtquellen wäre schöner, weil dann viel mehr Einsatzmöglichkeiten denkbar sind." Aus ästhetischer Sicht ist es für Schierz ebenfalls ein Verlust: "Man stelle sich nur mal einen Kronleuchter im Theater oder Museum mit Energiesparlampen vor." Betrachtet er die historische Perspektive, deckt sich das schrittweise Aussterben der Glühlampe mit dem technischen Fortschritt über die Jahrhunderte. "Das ist wie mit den Dampfloks - so lange nur wenige gefahren sind, waren sie kein Problem. Heute wären sie als einzige Schienentransportmittel aus ökologischer Sicht nicht mehr vorstellbar." Ähnlich sei es eben mit der Glühbirne. Als Privatmann nutzt der Optik-Experte überwiegend hochwertige Sparlampen. "Mit meiner Kugel in der Küchenleuchte bin ich sehr zufrieden."

 
 

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