Freies Wort

Kontakt Impressum als Startseite Sitemap
Suche
Ressort Thüringen
Erschienen am 09.01.2010 00:00
Bildung
Gemeinsam lernen - doch keiner weiß wie
Die SPD will noch in diesem Jahr die ersten Gemeinschaftsschulen gründen - die der Regierungspartner CDU für überflüssig hält.
Von Marco Schreiber

Suhl - Jetzt macht Thüringens sozialdemokratischer

aschule_090110 Bild vergrößern
Nach dem Unterricht verlassen Kinder die Staatliche Grund- und Regelschule Veilsdorf. Leiterin Adelheid Demm möchte die Einrichtung gern in eine Gemeinschaftsschule umwandeln.
Bild: ari
Bildungsminister also ernst mit einem Lieblingsprojekt der SPD. Mit Beginn des neuen Schuljahres sollen die ersten Gemeinschaftsschulen gegründet werden, teilt Christoph Matschie mit. Dort sollen alle Kinder bis zur achten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Grund- und Regelschulen soll es weiterhin geben, die Umwandlung immer freiwillig sein. Die gesetzlichen Grundlagen will Matschie noch im Frühjahr vorstellen.

Wie die neue Schulform funktionieren soll, darauf ist auch die mitregierende CDU gespannt. Die Konservativen halten ihrem bildungspolitischen Sprecher Volker Emde zufolge nämlich wenig von der Gemeinschaftsschule. "Aus unserer Sicht brauchen wir die Gemeinschaftsschule nicht", erklärt Emde. In den Regelschulen sei das von der SPD im Wahlkampf propagierte längere gemeinsame Lernen längst verwirklicht. Und bisher sei überhaupt nicht klar, "was eine Gemeinschaftsschule von einer gut geführten Regelschule unterscheidet", moniert Emde.

ms_emde_090110 Bild vergrößern
Volker Emde, CDU
Bild:  
Das würde auch Ulrike Rögner gern erfahren. Die Schulleiterin des Von-Bülow-Gymnasiums in Neudietendorf vertritt eine von zehn Thüringer Schulen, die bisher ihr Interesse an dem Projekt beim Ministerium bekundet haben. Obwohl über das Konzept bisher noch nichts bekannt sei, sagt Rögner.

Alle Abschlüsse ermöglichen

Das, was bekannt ist, geht ihr längst nicht weit genug. Aus pädagogischer Sicht müsse die Gemeinschaftsschule die Klassen fünf bis zwölf umfassen. "Nur so macht es Sinn." Rögner wünscht sich eine Schule, die alle Abschlüsse ermöglicht - Haupt- und Realschulabschluss sowie Abitur. Das würde einen Zusammenschluss mit der Regelschule bedeuten, was jedoch nicht auf der Agenda des Kultusministers steht.

In Neudietendorf sähe man darin jedoch die Chance, "eine Schule für das 21. Jahrhundert zu schaffen", in der flexible Persönlichkeiten herangebildet werden können. Dazu müsste allerdings mit der 150-jährigen Tradition des Sortierens in die verschiedenen Schulformen gebrochen werden.

Unsicherheit beim Wechsel

Vom Sortieren in Gymnasiasten und Regelschüler nach der vierten Klasse hält man auch in Veilsdorf im Landkreis Hildburghausen wenig. Adelheid Demm, Leiterin der dortigen Regelschule, möchte ihr Haus deshalb gern in eine Gemeinschaftsschule umwandeln. Immer wieder erlebe sie die Unsicherheit der Eltern, ob ihr Kind ans Gymnasium wechseln sollte. Und obwohl sich gerade mal 20 Prozent der Eltern dafür entscheiden, kommen immer wieder Schüler zurück an die Regelschule. Demm: "Für die Entwicklung der Kinder ist das unschön."

ms_peter_metz_spd_090110 Bild vergrößern
Peter Metz, SPD
Bild:  
Da in Veilsdorf Grund- und Regelschule in einem Haus untergebracht sind und schon jetzt vieles gemeinsam veranstaltet werde, bringe man beste Voraussetzungen für die neue Schulform mit. "Ein sanfter Übergang von der vierten zur fünften Klasse wird jetzt schon ermöglicht", berichtet die Schulleiterin. Ende Januar wird sie zu einem Arbeitstreffen nach Erfurt fahren, bei dem über die Ausgestaltung der Gemeinschaftsschule gesprochen werden soll. Kleinere Klassen und individuelle Förderung verspricht der SPD-Bildungspolitiker Peter Metz. Für ihn wird mit der Gemeinschaftsschule auch ein ursozialdemokratisches Anliegen verwirklicht. "Bildung soll Kinder nicht nur verwertbar machen, sondern auch eine Perspektive für eine soziale Gesellschaft vermitteln", sagt der Landtagsabgeordnete aus Erfurt. Kinder müssten gemeinsam aufwachsen, stärkere Schüler die schwächeren mitziehen und unterstützen. "Egal aus welcher Bildungs- und sozialen Schicht sie kommen."

Im herkömmlichen Schulsystem habe man schwächere Schüler immer aussortiert, an Förderschulen etwa. Länder, in denen gemeinsames Lernen selbstverständlich ist, "schneiden bei PISA besser ab", sagt Metz. Im europaweiten Bildungstest liegen jene Staaten regelmäßig vorn, die auf ein frühzeitiges Aussortieren verzichten - die skandinavischen etwa. Metz: "Wir schauen aber nicht nur nach Skandinavien, wir wollen ein eigenes Modell."

Als Anhängerin des skandinavischen Bildungsmodells gibt sich auch die Neudietendorfer Schulleiterin Rögner freimütig zu erkennen. "Ich war in Schweden und habe gesehen, dass jedes Kind einzeln betrachtet wird." Von Sozialpädagogen und Psychologen, die zusammen mit den Lehrern in einem Team arbeiten. Ein bis zwei Sozialpädagogen wünscht sich Rögner an jede Thüringer Schule.

Das habe man doch schon mit dem gemeinsamen Unterricht von "normalen" und förderbedürftigen Schülern in einer Klasse verwirklicht, sagt CDU-Mann Emde. Bei diesem Modell werden Kinder nicht mehr an die Förderschulen geschickt, die Sonderpädagogen stundenweise zu ihnen in den Unterricht und arbeiten mit den "normalen" Lehrern zusammen.

Trotz der Skepsis sähen die Thüringer Christdemokraten der Gemeinschaftsschule "wohlwollend entgegen", sagt Emde. "Wir haben nichts gegen eine Weiterentwicklung des Schulsystems." Priorität müsse jedoch haben, die Qualität von Schule und Unterricht weiter zu entwickeln, fordert der CDU-Bildungsexperte.

Wunsch vieler Eltern

Wie viele Gemeinschaftsschulen gegründet werden, hänge letztlich von den Schulträgern und von den Eltern ab, erklärt der Kultusminister. "Wir werden sie nicht gegen deren Willen durchsetzen, sondern wir reagieren mit der Reform ja gerade auf den Wunsch vieler Eltern", sagt Matschie.

Die neue Schulform lasse sich nicht im Hauruck-Verfahren durchsetzen. "Das ist ein Entwicklungsprozess, der mehrere Jahre braucht." Befürchtungen, dass die Gemeinschaftsschule aus dem bestehenden Bildungssystem herausfalle, wies Matschie als unbegründet zurück. "Der Übergang in die Regelschule oder ins Gymnasium wird in jeder Klassenstufe möglich sein."

 
 

Artikel drucken Drucken| Artikel speichern Speichern| Artikel versenden Versenden Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Myspace mit Twitter versenden Bookmark bei: StudiVZ Bookmark bei: Google
 
 
 
 

Kommentare zum Artikel

  • von markus am 09.01.2010 09:41
    Bildung und Einbildung
    ....Herr Emde ( CDU ) hat doch auch eine beachtliche Entwicklung genommen, folglich scheint sein Aufenthalt in der POS bzw. EOS doch nicht so schlecht gewesen zu sein. Aber das war ja gestern, wir müssen ordentliche Bildung noch mal erfinden, denn gestern war ja in der DDR. Liebe SPD, es dauert mit den Wahlversprechen oder geben doch andere den Ton an....?

  • von fuzzi am 09.01.2010 12:49
    Bildungssystem
    Die dümmlichste Entscheidung dümmlicher Machthaben nach der Wende war die Einführung der gegliederten Systems mit dem Verzug der Pflänzchen nach der 4.Klasse. Ergo: Bis zur 3.Klasse gibts so gut wie keine Noten, in der 4.Klasse einige. Physik, Chemie, Biologoe etc als Fächer kommen alle erst später. Wie will man eigentlich schon nach der 4.Klasse wissen, ob jemand tatsächlich dafür Talent hat? Dieses vertrottelte System gehört so schnell als möglich weg. Auch die IHK Suhl kann ein Liedchen davon singen:Ca 1/3 der Abgänger dieses Systems sind zum grossen Teil nicht mal ausbildungsfähig. Da die Wendedeppen haben ja insgesamt jede megen Müll verzapft, aber, das ist ihre gösste Leistung an Inkompetenz und wer sowas wählt ist einfach duumm und versündigt sich an jungen Leuten.

  • von rattenfaenger am 11.01.2010 12:27
    forzzi
    wie oft hat forzzi recht.wortwahl viel müll.

  • von fuzzi am 09.01.2010 12:52
    Nochmal , ohne Tppfehler ;-)
    Bildungssystem
    Die dümmlichste Entscheidung dümmlicher Machthaber nach der Wende war die Einführung des gegliederten Systems mit dem Verzug der Pflänzchen nach der 4.Klasse. Ergo: Bis zur 3.Klasse gibts so gut wie keine Noten, in der 4.Klasse einige. Physik, Chemie, Biologie etc als Fächer kommen alle erst später. Wie will man eigentlich schon nach der 4.Klasse wissen, ob jemand tatsächlich dafür Talent hat? Dieses vertrottelte System gehört so schnell als möglich weg. Auch die IHK Suhl kann ein Liedchen davon singen:Ca 1/3 der Abgänger dieses Systems sind zum grossen Teil nicht mal ausbildungsfähig. Die Wendedeppen haben ja insgesamt jede Menge Müll verzapft, aber, das ist ihre gösste Leistung an Inkompetenz und wer sowas wählt ist einfach duumm und versündigt sich an jungen Leuten.

  • von wanderer am 09.01.2010 22:15
    Unterschreibe ich zu 100%
    Fuzzi, dem ist nichts mehr hinzuzufügen - und Sie MÜSSEN sich eingestehen, das liegt an der fehlgeleiteten 68iger Bildungs- und Rechtsmisere der BRD, den kopflastigen Studium von prestigefördernden ...logie--Studienfächern (aller Ausrichtung), anstatt technischen Fachrichtungen, allen voran die andere Wange hinzuhalten, wenn man als System georfeigt wird.

    Lernresistente durch die Klassen durchzuschleppen, prügelnde Jugendliche in ein Boxcamb und verhaltensgestörte Heranwachsende auf Südseeinseln von den genannten ....logen belehren und vermeintlich erziehen zu lassen.

    Früher gabs Jugendwerkhof und die besonderen Fälle Steine klopfen im Steinbruch. Aber nein, das wäre unmenschlich, lieber sollen sich brave Steuerzahler ausrauben und terrorisieren lassen.

  • von rattenfaenger am 11.01.2010 12:38
    wanderer in steinbruch
    inhalt gut. wortwahl nur 6

  • von wanderer am 12.01.2010 16:44
    @rattenfaenger

    Zitat:



    wanderer in steinbruch
    inhalt gut. wortwahl nur 6

    Ja gerne, als Aufseher

  • von wanderer am 09.01.2010 22:30
    Fortsetzung
    Es fehlt gegenüber den Lehrern, Erwachsenen oder Vorgesetzten allgemein der Respekt, Werte allgemein sind abhanden gekommen. Eine "Selektion" anhand der Leistungsfähigkeit, spätestens ab der 2. Klasse sind unbedingt angebracht.

    Wenn man in den oberen Klassen keine Grundrechenarten oder deutsche Sprache in Text und Schrift MUSS man zurück gestuft werden, ansonsten wird unser schwindender Standard immer weiter verwässert.

    Das erschreckende ist, dass selbst Abiturienten sich oft mit animalischer Rhythmik und Lauten artikulieren, dass man es keinen normalen Menschen mehr anbieten kann.

    Ich weiß zwar selbst noch, dass die Alten gesagt über uns gesagt haben, wir sind der Untergang des Abendlandes, aber diese Auswüchse kann man keinen mehr anbieten.

  • von wanderer am 09.01.2010 22:58
    Nochmal auf die Überschrift zurückzukommen...
    Die Überschrift lautet:

    Gemeinsam lernen - doch keiner weiß wie

    Mehr braucht man nicht zu sagen und daran krankt das ganze System, egal ob Bildung, Finanzen, Wirtschaft, Soziales...

    Problem ist die verfilzte Mafiastuktur, genannt Demokratie. Keiner gönnt einen Emporkömmling auch nur einen Funken einer genialen Idee - Ehr wird er politisch ausgelöscht, als ihm auch nur einen Erfolg zu gönnen.

    Allein die Auflösung der Immunität von Politikern und Abgeordneten würde 80% dieser Mischpoke in Kommunen, Land und Bund wegen Bestechung, Korruption, Vorteilnahme im Amt und was weiß ich noch sofort in den Knast bringen, wo diese Typen auch hingehören.

  • von markus am 10.01.2010 10:21
    Man lernt nie aus!
    ... hallo @wanderer, eins muß man Ihnen lassen, Sie kommen vom NaCl ( Winterthema ) auf Nacktscanner dann zur Kinderpornographie dann zur Bildung usw. Bestimmt wissen Sie auch wie der Elefant zu seinem Rüssel kam.... Ich liebe gute Gespräche!

  • von markus am 11.01.2010 08:34
    These
    Niemand will in der BRD hören, dass sich das finnische Bildungssystem ehemals am Bildungssystem der DDR orentiert hat. In Finnland wird das Bildungssystem zentral und staatlich geleitet. Die Resultate können sich sehen lassen. Die Frage ist doch, will man eine einheitliche, aufgeklärten an den Naturwissenschaften orentierten Bildungsstand - (Menschen) überhaupt? "Gott mehr gehorchen als den Menschen" ...

 

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

 
 
 

 
 
Gesundheitsforum
Frankenwald
 
 
DIE KINDERZEITUNG
 
 
 
Umfrage-Ergebnis

Erneuerbare Energien: Stehen zu wenig Windräder in Südthüringen?

36,18% - ja, im Vergleich zu anderen Landesteilen könnten es mehr sein
61,31% - nein, wo sollen die denn hin?
2,51% - weiß nicht

[ Grafik anzeigen ]

 
 
 
 
Unsere professionellen Fotopartner