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Ressort Thüringen
Erschienen am 02.02.2010 00:00
Erdfall
Die Angst geht in Tiefenort weiter um
Das Ausmaß des erneuten Erdfalls in Tiefenort im Wartburgkreis ist größer als je zuvor. Vor acht Jahren riss die Erde in der Frankensteinstraße zum ersten Mal auf. Nun denken die Verantwortlichen über Umsiedlungen der Betroffenen nach.
Von Monika Gebhardt

Tiefenort - "Dass dieser Erdfall keine Ruhe geben wird, habe ich schon vor Jahren

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Anwohner der Tiefenorter Frankensteinstraße schauen in den Krater, der sich vergangene Woche in ihrer Nachbarschaft aufgetan hatte. Foto: Matz
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vorausgesagt", sagt Reinhard Völker aus Ulfingen im Südharz. Seit vierzig Jahren befasst sich der Experte mit Erdfällen. Das erneute Absacken der Erde in der Tiefenorter Frankensteinstraße ist für ihn deshalb keine Überraschung. Allerdings ist es für Völker der erste Erdfall, der sich mitten in einem Wohngebiet ausbreitet. Für den Experten ist klar: Die betroffenen vier Häuser, die ober- und unterhalb des Kraters stehen, sowie das Gebäude auf der Straßenseite gegenüber, in dessen Richtung sich der Erdfall bewegt, sollten aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. "Doch ich bin nur Berater und kein Entscheidungsträger", weist Völker auf die Kompetenzen hin.

Eine Entscheidung - auf die hatten auch die Bewohner gewartet, die am Krater zu Hause sind. Sie sind mit den Nerven am Ende. Kein Wunder angesichts der permanenten Angst, mit der sie leben. Schließlich kann die Erde, so wie sie es in den vergangenen acht Jahren immer wieder mal tat, erneut aufreißen. In den Abendstunden des vergangenen Donnerstags, als die Erde in der Frankensteinstraße erneut rumorte, rieselte wieder Boden in die Tiefe des großen Kraters.

Situation ist unklar

Zu "größeren Bewegungen" sei es in den vergangenen Tagen zum Glück nicht gekommen, sagte gestern Reinhard Krebs, der Landrat des Wartburgkreises. Doch von Entwarnung ist nach wie vor keine Rede. Die Experten vor Ort können nach Krebs' Worten die Situation nicht abschließend einschätzen. Deshalb bleibe es nach Rücksprache mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie dabei, dass die sechs Bewohner, die ihre Häuser nach dem neuerlichen Erdrutsch verlassen mussten, bis zum 15. Februar nicht dorthin zurückkehren dürfen.

Den Bewohnern der evakuierten Häuser hat die Gemeinde beheizte Wohnungen zur Verfügung gestellt. In Begleitung von Polizisten und Feuerwehrleuten dürfen sie ihre Häuser betreten, um Gegenstände, die sie benötigen, herauszuholen. Anschließend würden die Türen wieder versiegelt, um Unbefugten den Zutritt zu den Häusern zu verwehren, sagte Tiefenorts Bürgermeister Hans-Georg Hüther.

Von Seiten des Landes gibt es bislang die Zusage, man wolle "die Problematik begleiten". Dies hatte Umweltstaatssekretär Roland Richwien dem Landrat versprochen. Nicht zuletzt steht die Frage im Raum, welche Behörde für das Loch zuständig ist. Bürgermeister Hüther verweist auf das "unterirdische Hohlraumgesetz" vom 23. Mai 2001. Immerhin gebe es die Aussage aus Erfurt, dass die Untersuchungen im Erdfallgebiet intensiviert werden sollen. Landrat Krebs weiß zu berichten, dass das Gebiet weiträumiger abgesichert werden soll und weitere Kontroll-Methoden zum Einsatz kommen sollen.

Ein unheimliches Geschehen

Dies ändert allerdings nichts daran, dass weiterhin unklar ist, was genau in der Tiefe unter jenem Loch in Tiefenort geschieht - und was man eventuell dagegen tun könnte. Experten glauben, dass eindringendes Wasser im Untergrund immer wieder Salz auswäscht und die sich dadurch bildenden Hohlräume dann einstürzen. Daher könnte die eigentliche Ursache in mehreren hundert Metern Tiefe liegen.

Zum ersten Mal hatte sich die Erde in der Frankensteinstraße am 24. Februar 2002 aufgetan. Damals war der Krater mit einer Plombe aus 135 Kubikmeter Beton verschlossen worden. Aber schon kurze Zeit später sackte der Pfropfen in die Tiefe, genau so wie weitere 27 Kubikmeter Beton, die im Juni nachgegossen wurden. Dabei hatten Experten unter Verweis auf den Betonpfropfen damals gemeint: "Darauf können sie ein Haus bauen". Glücklicherweise hat es niemand getan. Nun verschwanden schon zum elften Mal Erdmassen in Größenordnungen in dem Schlund: -zig Tonnen Kies, die immer wieder nachgefüllt worden waren.

So auch am vergangenen Donnerstag. Doch während sich die Lage sonst immer wieder rasch beruhigte, wuchs dieses Mal binnen sieben Stunden das Loch im Garten jenes Wohnhauses, das die Eigentümer schon nach dem ersten Erdrutsch vor acht Jahren verlassen hatten, immer weiter. Aus bis dahin zwei Öffnungen von rund drei Meter Durchmesser bildete sich jetzt ein Krater von zehn Metern. Die Anwohner der Frankensteinstraße beobachteten das unheimliche Geschehen fassungslos. "Man kann förmlich hören, wie immer mehr Geröll in die Tiefe sackt", sagt eine aufgelöste Augenzeugin. Und: Der Krater wuchs in Richtung der Straße, wurde damit zur öffentlichen Gefahr.

In der Tiefe verschwanden auch einige der Sicherheitsvorkehrungen, die hier bislang getroffen worden waren. Der auf der Beton-Plombe sitzende Erdfall-Warnpegel löste noch Alarm aus, dann wurde er komplett zerstört. Nicht anders erging es dem Brunnen für die Entnahme von Wasserproben durch die Mitglieder des Erdfallhilfevereins.

Bürgermeister Hans-Georg Hüther setzte den ganzen Apparat von Thüringer Bergamt, über das Amt für Brand- und Katastrophenschutz, die Feuerwehr bis hin zur Bauaufsicht des Landratsamtes in Gang. Seither werden die beiden verbliebenen Pegel noch intensiver als bisher kontrolliert. In den nächsten Tagen werden die Mitglieder des Erdfallhilfevereins zudem ihre bisher aus regelmäßigen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse in einer gemeinsamen Beratung in Tiefenort den Experten vom Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie darlegen. Das hätte eigentlich schon früher geschehen sollen: Ein bereits Ende vergangenen Jahres vorgesehener Termin war nicht zustande gekommen.

 
 
 
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Kommentare zum Artikel

  • von Hintergrund am 02.02.2010 22:21
    Verpressung rief Hohlräume Hervor
    Festzuhalten bleibt, dass im Ergebnis des am 28.01.2010 sogar noch ausgeweiteten Erdfalls von Tiefenort nun die Existenz von Hohlräumen unter Tage ZUGEGEBEN wird. Damit ist die bisher vertretene Behauptung vom natürlichen Subrosionsgeschen dahin und es tritt Bergbau-induziertes Geschehen aus der Vergangenheit ins Blickfeld. Allerdings geht es dabei nicht um unter der Gemarkung von Tiefenort betriebenen Kali-Bergbau, sondern um die bis 1968 in Tiefenort betriebene Versenkung/Verpressung salzhaltiger Laugen und zwar Hunderte Meter tief in den angeblich undurchlässigen Plattendolomit (so wie in Gerstungen). Wieso will sich niemand daran erinnern? Was für "Experten" sind das, die diesen Ursachenkomplex seit Jahren beharrlich ignorieren. Und dies obwohl auch heute noch aufsteigende Salzwässer in Tiefenort abgepumpt werden müssen und dann in die Werra abgeleitet werden. Übrigens mit öffentlichen Mitteln gefördert.

 

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