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Ressort Thüringen
Erschienen am 03.02.2010 00:00
Naturschutz
"Weshalb kein großes Biosphärenreservat?"
Naturpark-Geschäftsführer Florian Meusel wartet mit einer Alternative zur Nationalpark-Idee im Thüringer Wald auf und stößt damit auf Resonanz.
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Florian Meusel: "Die Idee vom Nationalpark ist nicht bis zu Ende gedacht." Foto: Schunk
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Florian Meusel hält weiter an dem Vorschlag fest, den gesamten Thüringer Wald zum Biosphärenreservat zu machen. Der Geschäftsführer vom Naturpark Thüringer Wald e.V. will damit den Plänen der Erfurter Koalition, im Vessertal einen "Entwicklungsnationalpark" zu etablieren, eine Alternative entgegensetzen - und sieht sich mit dieser Auffassung nicht alleine.

Welche Reaktionen gab es bislang auf Ihren Vorstoß?

Bürgermeister, Hoteliers und Gastwirte, doch auch Naturschutzfachleute haben mich spontan angerufen und den Vorschlag unterstützt. Selbst auf Bundesebene bin ich oftmals schon gefragt worden, als es um die Qualitätszertifizierung des Naturparks Thüringer Wald ging, wieso wir eigentlich noch kein Biosphärenreservat sind. Und sogar Landtagsabgeordnete, die das Koalitionspapier abgesegnet haben, reagierten positiv und sind nicht mehr so sicher, ob das mit dem Nationalpark eine gute Idee war.

Und das heißt konkret ...

Ich möchte jetzt nicht aus Vier-Augen-Gesprächen plaudern. Fest steht aber, dass die Idee vom Nationalpark nicht bis zu Ende gedacht ist. Diese Einsicht reift zwar langsam, aber es gibt sie. Es ist sicher ein fachlich gut gemeinter Vorschlag, aber er trifft nicht des Pudels Kern.

Und wo genau liegt der nun?

Der Thüringer Wald sollte als Ganzes weiterhin eine Aufwertung erfahren. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist das durchaus gerechtfertigt. Wenn man beispielsweise nur einmal die populäre Wildkatze nimmt - sie ist in den Hörselbergen bei Eisenach ebenso nachgewiesen wie im Bereich Vessertal oder aber auch im Raum Sonneberg. Es gibt viele Fakten aus Fauna und Flora, die belegen, dass der Thüringer Wald durchweg schutzwürdige Regionen hat und einzelne Schutzinseln falsch am Platze wären. Ich warne ernsthaft vor der Zerstückelung des Thüringer Waldes und dem Neben-Einander-Existieren von Biosphärenreservat, Nationalpark sowie Naturpark und somit also verschiedenen Groß-Schutzgebieten.

Schutzwürdigkeit ist trotzdem auch das Gebot des Nationalparks, auch wenn der kleiner als der komplette Thüringer Wald ausfallen würde. Warum sind Sie trotzdem anderer Meinung?

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Der Inselsberg ist im Winter wie im Sommer Anziehungspunkt für viele Besucher. Setzt sich die Nationalpark-Idee durch, dann fürchtet Naturpark-Geschäftsführer Florian Meusel um die weitere Entwicklung des Tourismus entlang des Rennsteigs von Hörschel bis Blankenstein. Foto: ari
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Sicher, hier geht es freilich auch um einen Schutzstatus - allerdings sogar um einen recht hohen. Die Frage ist doch aber, ob dieser nötig ist und ob der Nationalpark zum Thüringer Wald passt. Nationalpark heißt, dass die Natur hier Natur sein darf und muss. Die Bewirtschaftung wird zurückgedrängt - aber auch die Menschen. Das muss man wissen. Für das, was bislang aufgebaut wurde in Sachen Tourismus, könnte es ein ernstes Problem geben. Und Thüringen kann sich auch nicht damit rausreden, dass alles halb so wild ist und wir unsere eigenen Maßstäbe anlegen. Es gibt internationale Vorgaben für einen Nationalpark und die sind dann auch für Thüringen verbindlich. Mit dieser Tatsache sollten wir ehrlich umgehen.

Und mit einem Biosphärenreservat wäre alles ganz anders?

Ja. Schauen wir nur ins benachbarte Biosphärenreservat Rhön. Anfangs befürchteten viele Leute die berühmte Käseglocke. Längst haben sich die Diskussionen beruhigt und die Region entwickelt sich behutsam mit den Menschen. Mal grob gesagt: In einem Biosphärenreservat darfst du mehr machen als in einem Nationalpark. So wie der Naturpark Thüringer Wald heute sich als Kulturlandschaft präsentiert, so würde dies auch im Biosphärenreservat Thüringer Wald der Fall sein. Dieses wäre gewissermaßen eine besondere Form des Naturparks - allerdings mit internationaler Anerkennung. Und die könnte durchaus dem Thüringer Wald als Marke insgesamt sehr gut tun - mal ganz abgesehen von größerer finanzieller Unterstützung in allen Bereichen, mit der man dann rechnen könnte. Das sage ich aus Erfahrung.

Die Anerkennung als Biosphärenreservat aber ist aber kein Kinderspiel, wenn man bedenkt, dass beispielsweise die Rhön derzeit Hausaufgaben machen muss und die Statusaberkennung droht, weil die Kernzone noch nicht die drei Prozent erreicht hat.

Im Thüringer Wald ist das machbar. Dabei muss die Kernzone nicht unbedingt alles Waldgebiet sein. Wir können zudem artenreiche Quellfluren ausweisen oder auch die wertvollen Bergwiesen ins Kalkül ziehen. Vor allem möchte ich die Forstkollegen selbst intensiv einbeziehen und um Vorschläge bitten.

Ein paar Hektar hier, ein paar dort. Muss ein solches Gebiet nicht zusammenhängend sein?

Florian Meusel: Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Der artenreiche Biotopverbund einer ganzen Landschaft steht zu Buche.

Wir müssen darüber debattieren - auch natürlich mit den Kollegen in Bundeseinrichtungen und Fachverbänden. Da werde ich mich selbst aktiv einbringen. Die Debatte könnte letztendlich auch dem Biosphärenreservat Rhön sehr dienlich sein.

Und wie soll nun ganz konkret das Biosphärenreservat "Thüringer-Wald-komplett" angeschoben werden?

2010 ist der beste Anlass dafür, das zu forcieren. Der Naturpark Thüringer Wald begeht seinen 20. Geburtstag. Das wollen wir im September mit einer großen öffentlichen Naturpark-Kirmes feiern. Zeit also auch, Bilanz zu ziehen, die gemeinsamen Erfolge des Naturparks fachlich aufzuarbeiten als Grundlage für eine Antragstellung und den Blick nach vorne zu richten.

Welche Erfolge sind für Sie dabei maßgebend?

Mit der Entwicklung des Naturparkes Thüringer Wald wurde gewissermaßen ein Grundgitter auf die gesamte Fläche gelegt, was die Regionalentwicklung, den Naturschutz, die Umweltbildung und die Landschaftspflege angeht. Es ist eine aktive Kooperation aller Akteure an der Basis entstanden - und das komplett in der Fläche. Hier haben wir viel Vorarbeit geleistet. Die 14 Infozentren zwischen Hörschel und Spechtsbrunn, die Naturpark-Route, die Thüringer-Wald-Card oder das Bergwiesen-Programm durch den Landschaftspflegeverband sind Ergebnisse, die wir aufweisen können. Einige Millionen an Fördergeldern von EU, Bund, Land, aber auch von Sponsoren und Stiftungen haben wir für unsere schöne Naturpark-Region umgesetzt. Dabei haben wir in den zwanzig Jahren immer als Naturpark insgesamt agiert und das Biosphärenreservat Vessertal, das mittendrin liegt, bei Förderprojekten nie außen vor gelassen. Die Gründung des Regionalverbundes war ein logischer Schritt. Weil das Vessertal als Biosphärenreservat ohnehin vergrößert werden soll, stimme ich nur einer gesamtregionalen Lösung zu. Nur so ist die gemeinsame Kooperation im Regionalverbund erfolgreich. Darauf lege ich besonderen Wert. Wenn alle berechtigten fachlichen Wünsche an einen Nationalpark dann in Deutschlands größtem Biosphärenreservat Thüringer Wald aufgehen, könnten alle Interessensgruppen unserer Region nur gewinnen - gemäß dem Thüringer-Wald-Card-Motto "Eine Welt tut sich auf..."

Interview: Birgitt Schunk

 
 

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