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Ressort Thüringen
Erschienen am 10.08.2007 00:00
DIMMLIGHT
Strom sparen wie von Geisterhand
Wie aus einem studentischen Praktikum ein Produkt wurde, das neue Arbeitsplätze schafft
VON REDAKTIONSMITGLIED JOLF SCHNEIDER
Jeden Abend das gleiche Schauspiel in Gehren: Wie von Geisterhand springen bei Dämmerung die Straßenlaternen an, um nach fünf Minuten von ganz alleine etwas dunkler zu werden. Exakt 22 Uhr drosseln sie ihre Leuchtkraft noch einmal, um ab 6 Uhr den Menschen wieder mit mehr Leuchtkraft den Weg zur Arbeit zu erhellen.
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Ralf Kleinodt, Geschäftsführer der KD Elektroniksysteme GmbH demonstriert die Wirkungsweise von Dimmlight. In zwei Stufen kann die Leuchtstärke der Lampen heruntergeregelt werden.
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In Gehren (Ilmkreis) setzt man auf einen Dimmer, um Stromkosten zu sparen und den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren. „Dimmlight“ heißt die Technik, die die Ilmenauer Firma Isle Steuerungstechnik und Leistungselektronik GmbH und die KD Elektroniksysteme GmbH aus Zerbst in Sachsen-Anhalt gemeinsam entwickelt haben. Mit der Methode hat Gehren mit seinen 4000 Einwohnern innerhalb eines Jahres immerhin 5000 Kilowattstunden Strom eingespart. Dabei ist bislang gerade einmal das Wohngebiet an der Carl-Marien-Höhe mit 37 Leuchten mit dem neuen Verfahren ausgerüstet. „Wir sind noch am Anfang“, sagt Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel.

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Vergleich zwischen ungedimmter und gedimmter Straßenbeleuchtung in der Stadt Großbreitenbach (Ilmkreis).
Bild: dimmlight
Vor einem Jahr hatte sich die Stadt entschlossen, auf die Neuentwicklung zu setzen. „Wir wollten keine Diskussion über die Abschaltung der Straßenbeleuchtung führen. Also haben wir nach Alternativen gesucht, wie wir die Kosten dafür trotzdem senken können“, berichtet Bössel. So stieß man schließlich auf die Dimmer. Auf diese hatte Klaus-Dieter Köhler, Chef der Gehrener Elektrofirma Junghanß, die Gemeinde aufmerksam gemacht. Schließlich gab es rund um Ilmenau schon mehrere Kommunen, bei denen die Technik im Einsatz war. Und das hatte sich unter Elektrikern herumgesprochen. „Wir hatten uns damals für ein Modellvorhaben entschieden und wollten nach einem Jahr Kassensturz machen“, berichtet Bössel. Und die Bilanz fiel nun durchweg positiv aus. „Die Prognosen des Herstellers sind voll eingetroffen“, bestätigt der Bürgermeister. Und auch aus der Bevölkerung habe es keine Klagen über das gedimmte Licht gegeben. „Ich denke, die meisten werden es gar nicht gemerkt haben“, sagt Elektriker Köhler. Und so prüft Gehren, ob in Zukunft weitere Straßen mit der Technik ausgestattet werden könnten.

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Serienfertigung läuft seit einem Jahr
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Das wäre die erfolgreiche Fortsetzung einer Geschichte, die vor mehr als sieben Jahren mit dem Praktikum eines Studenten bei der Isle begann. Dieser befasste sich mit der Anfrage einer Firma aus Greußen, die sich für eine Dimmertechnik für Straßenlaternen interessierte. „Das nötige Wissen dafür hatten wir aus anderen Projekten, dennoch war die Umsetzung eine große Herausforderung“, sagt Isle-Entwicklungsleiter Uwe Gellert. Denn von der Anfrage über die Patentierung im Jahr 2002 bis hin zur Installation der ersten Anlage vergingen rund vier Jahre. Seitdem regelt Dimmlight die Beleuchtung auf dem Firmengelände der KD Elektroniksysteme in Zerbst. Mit dem Unternehmen in Sachsen-Anhalt fand Isle auch gleich einen Partner, der Produktion und Vertrieb für die neue Technik übernehmen wollte. Denn Isle ist ein reines Entwicklungsunternehmen, das eine eigene Produktion gar nicht aufbauen kann und will.

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Der Blick auf die Zahlen überzeugt Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel genau so wie Elektriker Klaus-Dieter Köhler, der die Dimmlight-Anlage installiert hat.
Bild: ari
Seit gut einem Jahr läuft inzwischen die Serienfertigung in Zerbst. Gut 200 Dimm-Anlagen sind seitdem verkauft worden. Auch die Liste der installierten Anlagen im Internet wächst beständig. „Es ging zunächst sehr langsam los, doch wir konnten die Produktion kontinuierlich hochfahren“, berichtet KD-Geschäftsführer Ralf Kleinodt. Drei Mitarbeiter hat das Unternehmen extra für Dimmlight neu eingestellt. Und auch die zwei neu geschaffenen Ausbildungsplätze gehen auf das Kooperationsprojekt zurück.

Konzentrierte sich der Verkauf anfangs vor allem auf das Umfeld der beiden beteiligten Unternehmen, also Ilmenau und Zerbst, so regelt Dimmlight inzwischen auch Leuchtkraft und Stromverbrauch von Straßenlaternen in Leipzig, in Unna in Nordrhein-Westfalen oder in Kassel. Die neuesten Kunden kommen aus Schweden. „Der Kontakt kam bei unserem ersten ‚Dimmlight-Tag‘ im vergangenen Jahr zustande. Inzwischen planen wir den Aufbau einer eigenen Vertriebsplattform für den skandinavischen Raum“, erzählt Kleinodt.

Dabei kommt das Kooperationsprojekt inzwischen über den Status von Test- oder Modellversuchen hinaus. Nicht nur Gehren überlegt, eine zweite Anlage zu installieren. „Viele Kommunen ordern nach. Es gibt inzwischen sogar schon Ausschreibungen für Neubaugebiete, in denen die Verwendung einer Anlage, die den Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung regelt, gefordert wird“, berichtet Kleinodt. Wichtigstes Verkaufsargument ist und bleibt die Kostenersparnis, die die Kommunen durch den geringeren Stromverbrauch erzielen können. „Der Umweltschutz spielt eine eher untergeordnete Rolle, doch natürlich hilft uns die Diskussion um die Senkung des CO2-Ausstoßes. Das Produkt passt einfach in die Zeit“, berichtet Vertriebschef Bernhard Dombrowski.

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Viele Kommunen ordern nach
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Ronny Bössel bestätigt, dass es auch in Gehren in erster Linie um die Kosten ging. „Als Kommune hat man aber auch den Umweltschutz im Blick, schließlich wollen wir nachhaltig wirtschaften“, erklärt der Bürgermeister. So war schließlich auch der Gehrener Stadtrat von den Mehrausgaben für die Anschaffung der neuen Technologie überzeugt. Die schnelle Sparmaßnahme wäre zwar die Abschaltung von Straßenlaternen gewesen. Nun amortisieren sich die Kosten für Anschaffung und Installation erst nach etwas mehr als drei Jahren. „Wir können jedoch keine Entscheidungen treffen, die nur kurzfristige Wirkungen erzielen. Deshalb machte die Investition Sinn. Die Technologie kam für uns einfach zur rechten Zeit“, berichtet Bössel.

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Der Blick auf den Zählerstand bestätigt, was der Hersteller verspricht. 5000 Kilowattstunden Strom hat die Stadt Gehren so im ersten Jahr gespart.
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Und das Produkt weckt Begehrlichkeiten. „Wir werden im Herbst auf dem zweiten Dimmlight-Tag ein zweites Gerät vorstellen. Es ist etwas kleiner und damit für den Einsatz bei weniger Straßenlaternen oder zum Beispiel einer Beleuchtung auf einem Firmengelände gedacht“, sagt Kleinodt. Und sein Vertriebschef ergänzt, dass die neuen Produkte vor allem durch Kundennachfragen entstehen. So gab es auch schon Anfragen von Tunnelbauern, die sich den Dimmer für die Beleuchtung ihrer Röhren wünschten. In Zusammenarbeit mit Isle soll so in Zerbst eine ganze Produktfamilie entstehen. „Wir sehen auf jeden Fall noch Potenzial“, sagt Ralf Kleinodt. Und die neue Technik öffnet ganz neue Türen. „Inzwischen interessieren sich sogar Stromkonzerne für unsere Arbeit. Wir haben Einladungen bekommen, mit denen wir nie gerechnet hatten“, berichtet Dombrowski. Erstes Ergebnis dieser Gespräche ist ein vom Energiekonzern Eon unterstütztes Pilotprojekt in Bayern.

Schon jetzt sind die Zahlen beachtlich, mit denen der Vertriebschef bei seinen potenziellen Kunden argumentieren kann. So sparen die rund 50 im Internet aufgelisteten Orte mit Dimmlight zusammengerechnet schon jetzt rund 210 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 50 Ein-Familien-Häusern. Und dabei haben die meisten Kommunen bislang nur einen Straßenzug, also zwischen zehn und 40 Laternen, mit Dimmlight ausgerüstet. Zudem wurden durch die Leuchtkraftregelung knapp 110 000 Kilogramm Kohlendioxid nicht in die Atmosphäre gepustet. Um so viel Treibhausgas zu produzieren, müsste ein durchschnittlicher Personenwagen 550 000 Kilometer weit fahren.

Die Anwohner in Gehren bekommen davon freilich nichts mit, wenn jeden Abend die Straßenbeleuchtung anspringt und sich wie von Zauberhand zum Sparen herunterregelt.

Weitere Dimm-Beispiele: www.dimmlight.de

 
 

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