Achten Sie auf diese bunten Aufkleber auf den Geräten, wenn Sie einen neuen Kühlschrank oder eine neue Waschmaschine kaufen? Sie geben die Energieeffizienz an. Bei Geräten der Güteklasse A ist alles im grünen Bereich, sie verbrauchen wenig Strom oder Wasser. Die Aufkleber sollen den Kunden Orientierungshilfen geben und ihnen das Energiesparen erleichtern. Denn was nützt ein günstiger Kühlschrank, wenn er sich hinterher als Stromfresser entpuppt?
Künftig sollen auch Immobilien so einen Aufkleber bekommen. Gut, es ist etwas mehr, aber die Funktionsweise des Gebäudeenergieausweises ist die gleiche: Mieter und Immobilienkäufer sollen erkennen können, ob sie bei Ihrer Wohnung mit einer extrem hohen oder eine eher moderaten Nebenkostenabrechnung rechnen müssen. Außerdem soll der Ausweis Aufschluss darüber geben, wie sehr der Energieverbrauch eines Gebäudes die Umwelt belastet.
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Vermieter zögern mit dem Antrag
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Ab 1. Juli 2008 können Mieter und Käufer den Ausweis bei Vermieter oder Hausbesitzer einfordern, denn allgemein verbindlich wird er nicht. Die Immobilienwirtschaft bewertet ihn durchaus unterschiedlich. „Wir erhalten ein neues Kriterium, um den Wert eines Gebäudes zu bestimmen. Waren bislang allein Standort und Ausstattung entscheidend, so kommt jetzt die Energieeffizienz einer Immobilie hinzu. Der Ausweis ermöglicht es, den Wert der baulichen Hülle besser bewerten zu können“, sagt Michael Bickel, Leiter des Kompetenzzentrums Gebäude- und Energietechnik der Handwerkskammer Südthüringen in Rohr. Er hofft, dass mit dem Ausweis ein Umdenkprozess bei Immobilieneigentümern und -käufern einsetzt, verstärkt auf die Bausubstanz zu achten, also auf die Qualität der Fenster, der Dämmung oder aber die verwendete Heiztechnik.
Immobilienmakler dagegen sind nicht davon überzeugt, dass der Energieausweis ihren Markt verändern wird. Oder aber sie wünschen sich, dass alles beim alten bleibt. „Ich glaube, er wird eher einen psychologischen Effekt haben. Mieter und Käufer werden beruhigt sein, wenn sie wissen, dass ihre Wohnung besonders sparsam ist“, so Karl-Heinz Gerlach, Landesvorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), jüngst beim Immobilientag seines Verbandes in Erfurt. Auf die Entscheidung für eine Immobilie habe der Ausweis aber kaum Einfluss. „Wenn ein potenzieller Mieter vor der Wahl steht, eine Wohnung in bester Lage zu mieten, die aber bei der Energieeffizienz nur im gelben Bereich, also mittelmäßig ist und die Alternative eine Wohnung im grünen Bereich ist, die aber deutlich schlechter liegt, dann wird sich der Mieter auch weiterhin für die günstigere Lage entscheiden“, meint Gerlach. Zudem verweisen die Makler darauf, dass die Mehrzahl der Wohnungen in Ostdeutschland ohnehin zum Beispiel über eine gute Wärmedämmung oder moderne Fenster verfüge. „Die meisten wurden nach der Wende saniert, die Bausubstanz ist also noch nicht so alt, dass sie beim Energieausweis durchfallen würden.“
Auch bei Vermietern scheint sich der Energieausweis noch nicht durchgesetzt zu haben. „Für einige größere Wohnungsbaugenossenschaften haben wir schon Ausweise erstellt, doch private Vermieter kommen kaum auf uns zu. Wenn sie hören, dass der Ausweis 35 Euro kostet, dann bekomme ich eher flapsige Antworten, dass man doch nicht gleich das ganze Unternehmen kaufen wolle“, berichtet Matthias Schmidt von der Firma Extern aus Rothenstein in Ostthüringen. Das Unternehmen erstellt Nebenkostenabrechnungen für Mietshäuser.
Doch was kann der Energieausweis eigentlich? „Um das zu beantworten, muss man zunächst einmal wissen, dass es zwei Arten des Ausweises gibt. Die Politik konnte sich hier einfach nicht durchsetzen“, erklärt Michael Bickel. So müssen sich Mieter mit dem Energiebedarfs- und dem Energieverbrauchsausweis auseinandersetzen. Häufiger genutzt wird bislang der Verbrauchsausweis, denn er ist deutlich billiger. „Da gibt es Anbieter im Internet, die den schon für 9,90 Euro ausstellen“, berichtet der Experte der Handwerkskammer. Doch nach seiner Meinung ist der Verbrauchsausweis die deutlich schlechtere Variante. „Denn seriöse Vergleiche lässt er eigentlich nicht zu“, sagt Bickel.
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Versicherung gegen steigende Preise
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Für den Verbrauchsausweis müssen Vermieter einfach nur die Energieverbräuche, also Wasser, Strom und Gas der vergangenen Jahre nachweisen. Bereinigt werden diese Werte um Witterungsfaktoren. Bei einem milden Winter wie in der vergangenen Heizperiode wird dies berücksichtigt.
War die Wohnung jedoch über Jahre an einen sehr sparsamen Mitmenschen vermietet, der auch im Winter mit einer Temperatur von 19 Grad Celsius im Wohnzimmer zufrieden war, dann sagt das über den tatsächlichen Energiebedarf des Gebäudes noch nicht viel aus. Zudem können Vermieter ihn nur erstellen, wenn sie die Abrechnung für alle Energieträger, also auch Strom vorliegen haben. „Die Europäische Union hatte eigentlich den Bedarfsausweis gefordert, doch im deutschen Gesetzgebungsverfahren sind dann beide Varianten entstanden“, erklärt Bickel. Der Bedarfsausweis ist nach seiner Auffassung jedoch deutlich besser geeignet, um die Qualität eines Gebäudes aufzuzeigen. Denn für den Bedarfsausweis wird überprüft, welcher Energieaufwand nötig ist, um eine Wohnung oder ein Haus zu beheizen und mit Strom zu versorgen. Dafür wird das Bauwerk selbst unter die Lupe genommen. Zum Beispiel die Stärke und die Qualität des Mauerwerks, die Dämmung, die Fenster, das Dach und die Türen. Zusätzlich fließen die verwendeten Anlagen zur Energiegewinnung ein. Wird das Haus also zum Beispiel mit Öl oder Gas beheizt oder verfügt es über eine alternative Heizungsanlage wie eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung? Am Ende wird das Haus klassifiziert. Verbraucht es weniger als 150 Kilowattstunden Energie je Quadratmeter im Jahr, dann zählt es zur Güteklasse A.
Michael Bickel hofft, dass die Klassifizierung der Häuser dazu führen wird, dass Hausherren häufiger in ihre Immobilien investieren. Im Bedarfsausweis sind entsprechende Empfehlungen gleich mit vermerkt. Was heutzutage alles möglich ist, kann der Ingenieur der Handwerkskammer im Kompetenzzentrum in Rohr anschaulich vorführen. Auf dem Dach stehen Solarzellen zur Warmwasseraufbereitung und Photovoltaik-Anlagen zur Stromgewinnung. Im Gebäude können sich Handwerker und Häuslebauer über die Vorzüge von Blockheizkraftwerken oder Wärmepumpen informieren. Außerdem bietet das Zentrum in Rohr Handwerkern Weiterbildungen in der neusten Steuerungstechnik für Häuser an – alles mit einem Ziel: Das Wohnen so komfortabel und angenehm wie möglich und dabei trotzdem noch energieeffizient und kostenbewusst zu gestalten. „Noch immer scheuen Hausbesitzer die Investition in moderne Anlagentechnik, doch gerade bei Neubauten kann ich es nicht nachvollziehen“, sagt Bickel. Natürlich sei die Neuanschaffung oft noch teurer als althergebrachte Öl- oder Gasheizungen etwa, doch schließlich baue man ein Haus ja auch nicht für fünf Jahre. „Auf einen längeren Zeitraum betrachtet rechnet es sich und außerdem schließe ich mit dem Umstieg auf eine alternative Heizung quasi eine Versicherungen gegen steigende Öl- und Gaspreise ab.“


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