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Auslöser der im Dezember erfolgten Suspendierung Luciferos sei jedoch nicht unmittelbar dessen Einsatz einer Schreckschusspistole gegen mutmaßlich rechtsextreme Angreifer während einer Kundgebung im März gewesen, sondern das Festhalten Luciferos an der Richtigkeit seines Verhaltens. „Das ist mit unserer Auffassung, dass Waffen gleich welcher Art auf Veranstaltungen der Gewerkschaft nichts zu suchen haben, absolut nicht vereinbar“, betonte Voss. Auch wird dem umstrittenen Gewerkschaftler seitens seines Arbeitgebers zur Last gelegt, dienstliche Gelder und Adressverzeichnisse für private Zwecke eingesetzt zu haben. „Angelo hat auf eigene Faust Kämpfe geführt“, sagte Voss, darüber sei die Auseinandersetzung mit ihm „in den letzten Monaten eskaliert“. Nach einem Personalgespräch im Dezember sei klar gewesen, dass die Standpunkte von Landesleitung und Lucifero nicht mehr vereinbar waren. Die Trennung von dem aus Hessen stammenden Funktionär sei aber keine politische Auseinandersetzung, betonte Voss. „In dem Engagement für Demokratie und Menschenwürde, gegen Rassismus und Nazi-Ideologie stimmen wir mit Angelo nach wie vor überein“, erklärte der Verdi-Landesleiter.
Offenkundig jedoch wird bei Verdi hinter den Kulissen der Öffentlichkeit heftig über die Wahl der Waffen im Kampf gegen Rechts gestritten. Nach inoffiziellen Angaben sollen inzwischen einige Hundert Protestmails an die Landesleitung und den Verdi-Bundesvorsitzenden Frank Bsirske gegangen sein, darunter auch von Funktionären anderer Landesbezirke, linken Jugendorganisationen und Antifa-Gruppen. In zahlreichen Schreiben heißt es, etliche Thüringer Neonazi-Organisationen würden Luciferos Kündigung als ihren Erfolg feiern.
Dem scheint Voss gewerkschaftsintern mit einem eigenen Memo begegnen zu wollen, indem er detailliert („streng vertraulich, nur intern, nur zur Kenntnis“) über die Hintergründe der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit Lucifero Stellung bezieht. Demzufolge habe dieser wiederholt private Infopost verschickt, „die auf Verdi-Kosten frankiert über die Mitglieder-Verteiler verschickt wurden.“
Als ebenfalls schwerwiegend wird seitens der Landesleitung der Umstand gewertet, dass Lucifero versucht habe, die Selbstbewaffnung mittels waffenscheinpflichtiger Gasdruckpistole entgegen der eindeutigen, anders lautenden Vorgaben seiner Vorgesetzten „politisch zu rechtfertigen“. Zudem liege der Landesleitung eine schriftliche Erklärung von Sekretärinnen aus Luciferos Mitarbeiterkreis vor, aufgrund dieser Bedrohungsszenarien gemeinsam mit Angelo Lucifero künftig nicht an dienstlichen Veranstaltungen teilnehmen zu wollen. „Angesichts dieser Fakten wurde die Suspendierung ausgesprochen“, so Voss in seinem Memo.
Die nun angestrebte fristlose Kündigung habe die Landesleitung demgegenüber erst nach einem weiteren Vorfall Ende Dezember beschlossen. „Nachdem ihm die Suspendierung schriftlich ausgefertigt überreicht worden war, verabschiedete er sich auf dem Hof von der Landesbezirksleitung mit ‚Heil Hitler‘ und drohte, er werde das Gewerkschaftshaus zerstören“, so Voss.
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Gruppierungen protestieren gegen einen Rausschmiss
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Die Entfremdung zwischen Lucifero und seinem Arbeitgeber vollzog sich dabei über mehrere Jahre hinweg. Schleichend. Doch erst nach dem Vorfall im März, damals hatte Lucifero während einer Gewerkschaftsaktion auf dem Erfurter Anger einen Störer aus der rechtsextremistischen Szene durch das Abfeuern einer Schreckschusspistole verletzt, hatten sich DGB und Verdi erstmals öffentlich von Luciferos Verhalten distanziert. Auch kompromittierende Fotos Luciferos, Arm in Arm mit bekannten Thüringer Rechtsradikalen am Rande der Demonstrationen zum G8-Gipfel in Heiligendamm, stießen der Landesleitung intern sauer auf. Lucifero betonte in beiden Fällen in Notwehr gehandelt zu haben, da er jeweils einer deutlichen Übermacht an Rechtsradikalen gegenüber gestanden habe. Die Staatsanwaltschaft Erfurt erteilte dem Funktionär wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz im März einen Strafbefehl über ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung, den Lucifero allerdings nicht akzeptierte, sodass es in Mitte Januar zum Prozess kommen wird.
Lucifero selbst widersprach in einer Stellungnahme den Darstellungen seines Chefs. Er habe zum Beispiel nicht „Heil Hitler“ gerufen, sondern nach dem Gespräch zum Ausdruck bringen wollen, dass durch seinen Rausschmiss nur den Rechten geholfen werde, erklärte Lucifero.


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