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Ressort Thüringen
Erschienen am 15.02.2008 00:00
Gegen Extremismus
Der Umtausch von CDs ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen
Die Junge Union will im Freistaat rechte Schulhof-Musik einsammeln – und bietet dafür hippes Liedgut aus Thüringen
Von Redaktionsmitglied Eike Kellermann

ErfurtAußen ein sonnengelber Kreis, in der Mitte ein grüner Punkt, auf den ein Pfeil in gleicher Farbe zeigt: So sieht die Frontseite einer CD aus, mit der die Junge Union gegen politischen Extremismus vorgehen will. „Thüringer Mitte“ steht auf dem Cover der Silberscheibe, was als Programm zu verstehen ist. „Wir wenden uns gegen jegliche Form von Extremismus“, sagt Landesvorsitzender Mario Voigt. „Man darf auf keinem Auge blind sein.“

Kern des Projektes, das Filmabende, Diskussionen und Band-Auftritte umfassen soll, ist die CD-Aktion. Motto: Suche rechtsextreme Schulhof-CD, biete eine Zusammenstellung angesagter oder aufstrebender Thüringer Bands. Weder Name noch Musikstil dürfte Liebhabern von Rolling Stones und Phil Collins etwas sagen. Doch die Zielgruppe, die von „Northern Lite“, „Lolapaloosa“ oder „Ein Mal Einz“ erreicht werden soll, ist eine weit jüngere.

Es geht um die gleiche Zielgruppe, die in der Vergangenheit mit den so genannten Schulhof-CDs rechtsextremer Herkunft in Berührung kam. Nach Angaben des Thüringer Verfassungsschutzes wurden solche CDs im August und September 2005 in mehreren Städten entweder auf Schulhöfen verteilt oder in Briefkästen geworfen. Seitdem ist es zwar ruhiger um die Propaganda-Scheiben geworden. Aber nicht wirklich still.

Am 13. Juni 2007 wurden laut Verfassungsschutz in Meuselwitz (Altenburger Land) an einem NPD-Stand Exemplare einer neuen Schulhof-CD mit dem Titel „60 Minuten Musik gegen 60 Jahre Umerziehung“ festgestellt. Darauf vertreten unter anderem eine Skinhead-Band aus Altenburg sowie ein Titel, der von der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft als volksverhetzend eingestuft wurde. Nach Angaben des Verfassungsschutzes kündigte die NPD vorigen Dezember Verteilaktionen an allen Erfurter Schulen an, zu denen es bis auf eine Ausnahme offenbar aber nicht kam.

„Wir wollen den rechtsextremen Müll einsammeln und bieten im Tausch unsere CD“, sagt JU-Landesvorsitzender Voigt. Er sieht darin eine neue Form, Jugendliche zum Nachdenken über Extremismus von rechts wie links zu bewegen und sie „fit zu machen für die Demokratie“. Die musikalische Vielfalt der zwölf Bands zeige das, was man habe ausdrücken wollen. Zwei Lieder entstanden extra für die Zusammenstellung. Erhältlich sein soll die CD, die zunächst in einer Auflage von 2500 Stück erscheint, in den Büros der Jungen Union sowie in den Wahlkreisbüros der CDU-Landtagsabgeordneten.

Überdies enthält die Scheibe ein Video mit dem aus Sonneberg stammenden mehrmaligen Rennrodel-Weltmeister David Möller. Der gibt darin zwar noch einen Ausblick auf die Weltmeisterschaft in Oberhof, die inzwischen bereits Geschichte ist; zeitlos ist hingegen Möllers Begründung für sein politisches Eintreten. Wie im Sport seien auch in der Politik Regeln zu beachten. Dazu gehöre, sich „fair und friedlich bei Demonstrationen zu verhalten und seine Mitbürger zu achten, ob Ausländer oder Deutsche“.

Die Junge Union demonstriert Selbstvertrauen, wenn ihr Landeschef Voigt etwa sagt: „Die JUler werden auf der Straße sein, um sich mit den paar Hundert Spinnern auseinanderzusetzen.“ Die Nachwuchsorganisation der CDU verkündete jüngst, inzwischen rund 1.850 Mitglieder und damit mehr als die Thüringer FDP zu haben. Die rechtsextreme NPD kommt auf ein Viertel. Wohl nicht ohne Hintersinn wurde für die Anti-Schulhof-CD ein Titel von „anger77“, einer altgedienten Erfurter Band ausgewählt. Er heißt: „Was Dich krank macht“.

 
 

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