Schleusingen – Seit neuestem verteilt die EKM (Föderation
Die Kirche Mitteldeutschlands, sie macht mobil gegen Rechts, weil Christentum in solchen Zeiten auch politisch sein muss. Das Jahr 2008 hat die Kirche ausgerufen zum Aktionsjahr gegen den Rechtsextremismus. Die Christen, sie werden aufgefordert, sich einzumischen. „Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus“ steht auf den Brillenputztüchern. Von höchster Stelle erschallt die Botschaft. Sie liegt auf den Schreibtischen aller Pfarrer im Land. Sie liegt bei den Kirchengemeinderäten. Sie liegt auch bei Dorothea Söllig, Pfarrerin in Schleusingen, die gerade Kirchputz hält.
Die Stadtkirche St. Johannis soll strahlen, wenn am 8. Mai in Schleusingen wie in allen anderen Kirchen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens wieder Friedensgebete stattfinden. Mit Kerzen ziehen anschließend die Christen hinaus in die Öffentlichkeit, in Frau Sölligs Fall zum Schleusinger Marktplatz. Dort sollen von Kindern zu den Themen wie Gewalt, Toleranz, Menschlichkeit gemalte Bilder an Geschäftsleute übergeben werden. Dort sollen Lesungen aus einst verbrannten Büchern stattfinden. Die Kirche und das Bündnis gegen Rechts haben den Bürgermeister, die Fraktionen, die Vereinsvorsitzenden, die Schulen, die Zivilgesellschaft eingeladen. Nach einem Friedenskanon werden die Bilder übergeben an die Anwesenden, damit sie künftig hängen mögen in Filialen, Vereinsheimen und Schaufenstern. „Dies ist eine freie, tolerante Stadt, kein Ort für Nazis, kein Ort für Gewalt.“ Diese Botschaft sollen die Bilder und die Bürger in Schleusingen, in Thüringen, in Sachsen und Sachsen-Anhalt hinaustragen an diesem 8. Mai.
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Schicksalstage im Mai
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Der 8. Mai 1945 war der „Tag der Befreiung“, so hat ihn Richard von Weizsäcker genannt, der ehemalige Bundespräsident. Es war der Tag, an dem jenes Nazideutschland endgültig einging, das am 10. Mai 1933 die Bücher seiner geistreichsten Schriftsteller öffentlich verbrannt hatte. Die Scheiterhaufen von 1933 markierten den Beginn der unmenschlichsten Epoche in Deutschlands Geschichte, sie waren der Anfang vom Ende – Schicksalstage im Mai. Damit sie Deutschland nie mehr heimsuchen, soll der 8. Mai 2008 nun zu jenem Tag der Zivilcourage werden, an dem die Kirchen wieder auf die Straßen ziehen, um dem Ungeist entschlossen entgegen zu treten.
„Wir sind viel zu still und leise“, schreibt fast beschwörend die Kirchenleitung, deren Lageanalyse zum organisierten Rechtsextremismus in Thüringen finsterer klingt als selbst der Verfassungsschutzbericht: Die NPD, heißt es dort, sei „in einer Phase der Euphorie“ und wähne sich bereits im Thüringer Landtag. Mit 558 Mitgliedern (Stand September 2007) habe die Partei die Größe des Thüringer Landesverbandes von Bündnis 90/Die Grünen überschritten. Landauf landab veranstalte sie Konzerte, Feste, Fußballturniere wie in Pennewitz bei Ilmenau, versuche eigene Vereine zu gründen wie beispielsweise die Sportgemeinschaft Germania Hildburghausen oder bestehende Organisationen zu unterwandern wie den BDV-Kreisverband in Erfurt oder den Erfurter Bürgerrat Wiesenhügel. Und – vor allem: Nicht bei allen sind die Rechtsextremen unwillkommen, 53 Prozent der Thüringer Bevölkerung teilen beispielsweise deren Thesen von der gefährlichen Überfremdung des Landes, der Thüringen Monitor brachte das zum Vorschein.
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Botschaft von der Gleichheit
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Höchste Zeit, diesem bedenklich schwankenden Volke einmal die Wert-Fundamente des christlichen Abendlandes vor Augen zu führen. In seinem Brief an die wankelmütigen und seltsamen Dingen zugeneigten Galater schreibt Paulus etwa 50 nach Christus: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Dies ist die Botschaft von der Gleichheit der Menschen, eine multikulturelle, tolerante Botschaft, die keinen Rassismus duldet. Unter anderem auf diese Bibelstelle bezieht sich Thüringens Landesbischof Christoph Kähler, wenn er sagt: „Christentum und Rechtsextremismus sind unvereinbar.“
So deutlich, so klipp und klar, so flächendeckend wie im aktuellen Kirchenwort der Landesbischöfe hat sich die evangelische Kirche noch nie positioniert. Aber jetzt sei „der Frieden in unserem Land ohne weiteres durch den Rechtsextremismus gefährdet“, es sei Zeit, deutlich zu werden, sagt Christhard Wagner, Bildungsbeauftragter der EKM, „diplomatisch reden geht überhaupt nicht“. Knapp eine Million Kirchenmitglieder in Mitteldeutschland sind also heute aufgerufen hinauszuziehen auf die Straßen, die Plätze und Flagge zu zeigen gegen den Rechtsextremismus. Die Friedensgebete werden überall mit einem Lied enden, in dessen Text es heißt, „Gott gab uns Atem, damit wir leben; Gott gab uns Augen, damit wir sehen; Gott gab uns Hände, damit wir handeln.“ Ein einfaches Lied über die Verantwortung jedes Menschen in der Welt. „Wir wollen es nicht beim Beten belassen“, sagt Wagner, die Verantwortung für die Welt gehöre zum Evangelium dazu.
In einer Pressemitteilung der EKM heißt es: „Wir ermuntern jeden Einzelnen. Schauen Sie nicht weg, wenn in Ihrer Umgebung rechtsextreme Haltungen deutlich werden. Widersprechen Sie den einfachen Parolen und menschenverachtenden Vorurteilen. Werden Sie aktiv, wenn Menschen zu Opfern von Gewalt werden.“












