Erfurt – Nach diesem denkwürdigen Parteitag der Thüringer
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„Dafür haben wir auch hart gearbeitet“, atmete Heimrich durch. Dem Netzwerk um Matschie gelang es nicht nur, drei neue Vize-Landeschefs wählen zu lassen – auch der als Kritiker hervorgetretene Schatzmeister sowie sieben Dewes-Freunde unter den bisherigen Beisitzern fielen durch. Beim Spitzenpersonal war eine Thüringer SPD wohl noch nie so passgenau auf den Vorsitzenden zugeschnitten, der nun innerparteilich gerüstet auf die Landtagswahl 2009 zusteuert.
Im Vorfeld „netzwerken“ – das war diesmal Matschies Rezept
Wer, wo, wie die Fäden gezogen hat, wird unter den Genossen zwar ein bisschen wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Aber klar scheint, dass die Matschie-Truppe erstmals genauso aktiv hinter den Kulissen war wie die Anhänger von Dewes. Offenbar waren 21 der 23 Kreisverbände in die sich über Monate hinziehenden Absprachen eingebunden. Manch Genosse war deshalb so oft wie nie zuvor in Erfurt.
Geknüpft wurde das Netzwerk seit der Ankündigung von Dewes, dem Parteichef das traditionell zustehende Recht auf die Spitzenkandidatur mittels Urwahl zu entreißen. In den Augen der Netzwerker war das ganz klar „ein Putsch“. Nach dem deutlichen Urwahl-Sieg des Parteichefs im Februar wurde wenigstens ein Signal von der Dewes-Fraktion erwartet, sich zurück ins Glied zu begeben. Die erwartete jedoch selbst ein Signal von Matschie. „Er braucht wohl eher mich als ich ihn“, so jüngst ein wichtiger Dewesianer.
Also arbeitete das Netzwerk weiter für Matschie. Allein aufgrund seiner Größe war es der Gegenseite überlegen, die zuvor mit List und Geschick und angeblich auch Desinformation operierte. So hatten 13 von 24 Vorständlern im Januar eine Erklärung gegen Matschies Wahlstrategie unterschrieben. Keiner von ihnen gehört seit Samstag noch dem Landesvorstand an.
„Das musste jetzt mal ausgestanden werden“, meinte eine Spitzen-Genossin, die die Thüringer SPD in den vergangenen Jahren immer wieder als zerrissenen Haufen erlebt hat. Wie total die Niederlage von Dewes war, der entgegen seiner Ankündigung wohlweislich nicht mehr kandidierte, belegte das Entsetzen seiner Getreuen. Die Landtagsabgeordnete Dagmar Becker lief schimpfend durchs Foyer: „Wie krank ist diese Partei, wenn sie den Oberbürgermeister von Erfurt aus dem Vorstand wirft.“ Rainer Lindenmann, Gatte von Landrätin und Dewes-Anhängerin Marion Philipp (Saalfeld-Rudolstadt) sagte martialisch: „Die Flaggschiffe werden weggebombt.“ Und in Anspielung auf die Sachsen-SPD: „Wir erleben gerade die Gründung der Neun-Prozent-Partei.“
Die große Mehrheit der Thüringer SPD empfindet Reaktionen wie diese inzwischen als Ausdruck von Selbstüberschätzung und Realitätsverlust. Matschies eher mageres Wahlergebnis von 75 Prozent bestärkte viele Delegierte offenkundig in ihrer Erwartung, dass die Dewes-Anhänger nicht einlenken würden. Nun wird innerparteilich das Ende des Machtkampfs erwartet, weil der Kern der Aufrührer klein sei und die Mitläufer sich an den Sieger hielten. Der abgewählte Vize-Parteichef Harald Zanker versprach zudem, es werde „kein Nachtreten“ geben.
Ein Grund mehr für Peter Heimrich, an den Whisky zu gehen.


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