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Ressort Thüringen
Erschienen am 01.08.2008 00:00
Fremdenfeindlichkeit
„Kein Fehlverhalten festgestellt“
Kirche und Behörden legen Fall Neuschäfer zu den Akten

RudolstadtDer Bericht war für viele Menschen ein Schock: Aus Angst vor neuen

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Pfarrer Neuschäfer hält an den Vorwürfen fest. Foto: dpa
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rassistischen Anfeindungen flüchtet die Familie von Pfarrer Reiner Andreas Neuschäfer aus Rudolstadt ins Rheinland. Als „Nigger“ sei eines der fünf Kinder von Mitschülern beschimpft, ein anderes sei verprügelt worden. Und das nur, weil Frau Neuschäfer eine indische Mutter und ihre Kinder etwas dunklere Haut haben, berichtete das Ehepaar Anfang April. Sie selbst sei beschimpft und in einigen Geschäften nicht bedient worden, sagt Mutter Miriam Neuschäfer.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen und eine Flut von Hass-Briefen prasselte auf die Rudolstädter nieder. Inzwischen wird klar: An den Vorwürfen war wohl wenig dran – das legen zumindest die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft, Schulamt und Kirche nahe.

Er sei jeden Montag in der Schule verprügelt worden, hatte Sohn Jannik im Fernsehen erzählt. Inzwischen hat das Schulamt Rudolstadt klargestellt: Die Behauptung ist falsch. Auch seitens des Vaters seien keine Belege erbracht worden, die diese Behauptung stützten, heißt es in einem Abschlussbericht der Behörde zu dem Fall. Dem widerspricht Neuschäfer vehement. So habe es keine Gespräche etwa mit der Kinderärztin oder Schülern gegeben, die die Vorfälle bezeugen könnten. Die Staatsanwaltschaft Gera, die wegen Körperverletzung ermittelt, wird den Fall wahrscheinlich ebenfalls bald ad acta legen. „So wie es aussieht wird die Sache im Sande verlaufen und wir die Ermittlungen einstellen“, sagt der stellvertretende Sprecher, Gerd Michael Schultz.

Ein Beleg für die Behauptungen der Neuschäfers ist jedoch ein anderer Vorfall. Zwei Kinder der Familie seien dreimal von Mitschülern beschimpft worden, hatte die Leiterin der Grundschule, Angelika Swirszczuk, eingeräumt. Dabei soll auch das Wort „Nigger“ gefallen sein.

Neuschäfer hat stets betont, dass die von seiner Familie erhobenen Vorwürfe keine Einzelfälle seien. Er spricht von einer Fremdenfeindlichkeit ganz normaler Bürger im Alltag. Daran hält er fest. Belege für die Vorwürfe ist die Familie Schulamt, Staatsanwaltschaft und Kirche aber offenbar schuldig geblieben.

Es sei kein Fehlverhalten kirchlicher Mitarbeiter festgestellt worden, heißt es bei der Thüringer Landeskirche. Neuschäfer hatte seinem Arbeitgeber vorgeworfen, von den Anfeindungen gewusst, aber nie Hilfe angeboten zu haben. Der Streit ist noch nicht ausgestanden. Da er nicht die geforderte Auflistung der von ihm angeprangerten Vorfälle eingereicht hat, hat Neuschäfer eine Rüge erhalten. Dagegen hat er nach eigenen Angaben Widerspruch eingelegt. Auf das Angebot eines persönlichen Gesprächs von Landesbischof Christoph Kähler an Frau Neuschäfer sei bis heute keine Reaktion erfolgt, heißt es im Kirchenamt. Auch dieser Darstellung widerspricht der 40-Jährige.

Unterdessen sind Neuschäfers Tage als Schulbeauftragter der Landeskirche in Rudolstadt gezählt. Die Stelle endet in dieser Woche regulär zum 31. Juli. dpa

 
 

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