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Erfurt - Andreas Menzel sitzt lässig hinterm Steuer. Das Rangieren mit seinem 25 Meter langen Lkw macht ihm keine Mühe. Er stößt, indem er sich mittels der beiden Spiegel am Fahrerhaus orientiert, vorsichtig zurück. Dann vollzieht er eine komplette Drehung als ob er durch einen Kreisverkehr fahren würde. "Keine Probleme", brummt Menzel, der 39-jährige Berufskraftfahrer. Die überlange Maschine fahre sich "viel besser und wendiger" als ein herkömmlicher Sattelschlepper. Selbst bei Schnee, ergänzt sein Kollege Marco Nerlich, gebe es kein Ausbrechen.
Die beiden müssen es wissen. Fast zwei Jahre waren sie zwischen Hermsdorf und Ohrdruf mit dem sogenannten "Euro-Combi" unterwegs. Gegenüber gewöhnlichen Lkw, an die entweder Anhänger oder Auflieger gekoppelt sind, legte ihr Fahrzeug sechs Meter in der Länge zu. "Monstertruck" schimpfen Kritiker. "Giga-Liner" oder "Lang-Lkw" sind andere Bezeichnungen für diese Fahrzeuge, die in der EU zwar erlaubt sind, aber in Deutschland bisher nur mit Ausnahmegenehmigung fahren dürfen.
Die gut 100 Kilometer zwischen Hermsdorf und Ohrdruf waren die Teststrecke in Thüringen. Der Pilotversuch stand unter Aufsicht des Verkehrsministeriums und wurde von der Fachhochschule Erfurt begleitet. Zumeist war es Andreas Menzel, der mehrmals am Tag für seine Spedition Rigterink und im wissenschaftlichen Auftrag hin und her fuhr. Im Gewerbegebiet Ohrdruf holte er Zwieback vom Hersteller Brandt ab. Dann ging es zurück nach Hermsdorf, von wo aus die Ware weiter verteilt wird.
Die mehr als 1000 Fahrten des Euro-Combi über A 9 und A 4 ließen Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) nun jubeln. "Die Studie hat sehr positive Ergebnisse gebracht", sagte der Minister gestern bei der Vorstellung. Demnach verringerten sich deutlich der Dieselverbrauch und damit der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids. Zwar schluckte die Zugmaschine, die Andreas Menzel steuerte, beeindruckende 37 Liter pro 100 Kilometer. Schließlich hatte sein Wagen viel mehr Zwieback als ein herkömmlicher Sattelzug geladen, wobei das Höchstgewicht auf die üblichen 40 Tonnen begrenzt blieb.
Aber auf Grund der Mehrlast musste er die Strecke nicht mehr so oft fahren. "Jeder dritte Transport ist entfallen", freut sich der Geschäftsführer der Spedition, Detlef Claus. Das führte dazu, dass die Firma sowohl beim Diesel als auch bei der Maut sparte. Aber nicht allein deshalb wirbt Claus leidenschaftlich für den Einsatz des Lang-Lkw, den er gar "Thüringer Öko-Combi" nennt. Gerade beim Transport von leichten, aber voluminösen Produkten erweise sich der lange Laster als ökonomisch und ökologisch sinnvoll. "Wir brauchen ihn nicht - aber die Umwelt braucht ihn", sagte der Spediteur. Er sehe ihn nicht als Konkurrenz zur Bahn, sondern als Ergänzung.
Aus Sicht des Verkehrsexperten Uwe Adler von der Fachhochschule Erfurt sind mit dem Einsatz der Euro-Combi keine zusätzlichen Probleme für Umwelt, Straßen oder Verkehrssicherheit verbunden. Die Fahrzeuge seien vielmehr eine "sinnvolle Alternative" bei Volumentransporten.
Ist der umstrittene Monstertruck also auf dem Weg zum Öko-Brummi? Verkehrsminister Carius gestand ein, dass auch er ursprünglich eher skeptisch gewesen sei. Doch nach den Ergebnissen der Studie müsse man sich nun damit beschäftigen, "unter welchen Bedingungen diese Fahrzeuge in den Verkehr geschickt werden können". Schließlich werde in den nächsten Jahren der Verkehr weiter wachsen, aber nicht die zur Verfügung stehende Fläche. Er könne sich daher einen weiteren Pilotversuch vorstellen. Leider, setzte der Minister hinzu, verwechselten einige in der Verkehrspolitik "Ideologie mit Sachverstand".
Eine Spitze, die hier wohl den Skeptikern des Euro-Combi galt. Denn weder die Opposition ("wir sind skeptisch bis ablehnend", so die Grünen-Politikerin Jennifer Schubert) noch der Koalitionspartner teilt die Auffassung des CDU-Ministers. SPD-Verkehrspolitikerin Sabine Doht pocht auf den Koalitionsvertrag, der ein Ende des Pilotprojekts verlangt. Sie hält einen weiteren Versuch für "nicht sinnvoll" und die Studie für "nicht aussagekräftig", da sie nur eine Fahrstrecke untersucht habe.
Grundsätzlich ist sie gegen die Lang-Lkw, weil so Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert werde. "Der sinnvollere Weg ist, Gewerbegebiete an das Schienennetz anzuschließen", sagt die SPD-Politikerin. Dann könnte der Zwieback auch mit der Bahn von Ohrdruf nach Hermsdorf transportiert werden.


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