Jena - Hoch konzentriert steht Hannes auf der Sportmatte. Die Hände hat der Junge in die Höhe gereckt, seine Knie sind leicht
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Mehrere Wochen haben die beiden für das Kunststück trainiert. Die Aufschrift auf Hannes' schwarzem T-Shirt verrät: Er gehört zu den «Princesses», den Cheerleadern in Jena.
Komisch findet er das gar nicht, als Junge einen Sport zu betreiben, mit dem die meisten Menschen kurze Röcke und «Puschel» assoziieren. Auch für Gianna, seine neunjährige Cheerleader-Kollegin, ist es «total normal», mit einem Jungen zu trainieren. Sieben Jahre ist es schon her, dass eine Freundin von Hannes ihn zum ersten Mal zum Training mitnahm. Damals war er in der ersten Klasse.
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Seit 1996 trainiert Uta Vogler die Cheerleader der Jenaer Footballmannschaft «Hanfrieds». Es gibt ein Kinder-, ein Jugend- und ein Seniorteam. Für alle gilt: Männer dafür zu begeistern, ist besonders schwer. «Dabei sind gerade sie für komplizierte Hebefiguren geeignet, einfach weil sie mehr Kraft haben», sagt die 37-jährige Sportlehrerin. Außerdem ist es ja auch cool, wenn ein Mann eine Frau ganz alleine hochhebt, wenn er Saltos schlägt oder Flickflacks turnt, sagt Vogler. «Und nur die wenigsten wissen, dass Cheerleading ursprünglich ein reiner Männersport war.»
Er entstand 1898 eher zufällig an der Universität von Minnesota, als ein amerikanischer Student die Zuschauer eines Footballspiels mit Sprechgesängen zum Anfeuern animierte. Erst viel später kamen dann akrobatische Elemente - und Frauen - hinzu. In Deutschland wurde 1988 die erste Cheerleader-Meisterschaft ausgetragen. Mittlerweile gibt es etwa 250 Vereine, in Thüringen sind es zwei, sagt Ingolf Neumann von der Cheerleader Vereinigung Deutschland (CVD). 1990 traten dann zum ersten Mal männliche Cheerleader in Deutschland auf.
«Seit einigen Jahren werden es immer mehr», sagt Alexander Balz, Der 33-Jährige ist ehemaliger Footballspieler, stellvertretender Vorsitzender der CVD - und seit 13 Jahren Cheerleader. «Jungs wollen einfach mal was Neues ausprobieren, etwas, das abseits von Fußball liegt», erklärt Balz den Trend. «Das Tolle dabei ist, dass alles trainiert wird: Kraft, Akrobatik, Körpergefühl - und Selbstvertrauen.» Das bräuchten die rund 200 männlichen Cheerleader in Deutschland ganz besonders. «Die Klischees über puschelschwingende, homosexuelle Cheerleader halten sich nämlich hartnäckig», sagt Balz.
Hannes Güther fühlt sich unter all den Mädchen in seinem Team «echt wohl». Trotzdem war er froh, als vor zwei Jahren ein anderer Junge zum Team stieß. Gemeinsamkeiten verbinden. Zusammen trainieren sie nun für die nächste Meisterschaft. Ende November werden sie in Gera an den Start gehen. Ohne Puschel. In Sporthosen. Auf Pokaljagd. (ddp)



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