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Am Ende stand Platz sechs zu Buche, deutlich entfernt vom angestrebten Minimalziel, der Bronzemedaille. Aus verschiedenen Gründen heraus entschloss sich Staelens, Suhl zu verlassen, er unterschrieb beim Konkurrenten Hamburg. Über die aktuelle Situation beim VfB Suhl sprachen wir mit Präsident Wolfgang Wehner.
Herr Wehner, wie ist die Lage im Verein?
Ganz entspannt in allen Bereichen.
Sie haben bereits drei neue Spielerinnen verpflichtet. Besteht da nicht das Risiko, dass sie nicht ins Konzept des neuen Trainers, der mit Felix Koslowski ja nun gefunden ist, passen?
Wenn Trainer neu anfangen, finden sie immer Stammkräfte vor, mit denen sie leben müssen. Was die Neuen angeht, so war Mareike Hindricksen noch eine Entscheidung von Jean-Pierre Staelens, und die beiden Serbinnen mussten wir einfach verpflichten. Ich wurde schon von Leuten angesprochen, die gar nicht glauben wollten, dass etwa Suzana Cebic jetzt in Deutschland und dann auch noch in Suhl spielt. Unser neuer Trainer Felix Koslowski wird noch genügend Möglichkeiten haben, Einfluss zu nehmen und kann natürlich eigene Vorstellungen mitbringen.
Sind die besten Spielerinnen nicht schon weg? Sarka Barborkova zum Beispiel war schon vor einem Jahr in Suhl im Gespräch, wechselte jetzt aber von Stuttgart nach Vilsbiburg.
Auf der Transferliste ist kaum eine Spielerin, die für die 1. Liga in Frage kommt, wenn man oben mitspielen möchte. Wenn so eine Spielerin dann doch zu haben ist, läuft das meistens über andere Schienen. Aber keine Bange - dass etwa Sarka Barborkova nach Vilsbiburg gegangen ist, ist kein Problem, sie hat in unseren Überlegungen keine Rolle mehr gespielt. Wenn mir eine einen Korb gegeben hat, frage ich im nächsten Jahr nicht sofort wieder nach.
Wie schwierig ist es, Spielerinnen zu finden, die eine echte Verstärkung sind? Der Ruf des VfB Suhl war zuletzt nicht der beste.
Ich sehe das nicht ganz so. Aber wenn das wirklich so sein sollte, dann muss man nach den Ursachen forschen. Wenn ich an einigen Fronten immer wieder Stimmung machen muss, um für unseren Standort das Bestmögliche herauszuholen und aufgrund solcher Streitigkeiten ein negativ belastetes Image habe, dann kann ich damit leben. Spielerinnen, die bei uns waren, sind im Allgemeinen gern hier gewesen, und die meisten wären auch gern noch länger geblieben. Natürlich haben wir Schwierigkeiten, deutsche Spielerinnen zu uns zu holen. Dafür gibt es teilweise Ursachen, wie etwa wenig Studienmöglichkeiten, woran wir nichts ändern können. Aber wir haben auch Stärken, gerade im Hinblick auf Berufsausbildungsmöglichkeiten, wo uns viele unserer Sponsoren sehr helfen. Birgit Thumm und Dominice Steffen fühlen sich sehr wohl in Suhl - ganz so schlecht kann das Image also nicht sein. Das hat ja auch die Vielzahl der Trainerbewerbungen gezeigt, die bei uns eingegangen ist. Und durch das Pokalfinale in diesem Jahr haben wir sicher wieder an Image hinzugewonnen.
Der neue Trainer Felix Koslowski würde mit Suhl gern wieder ins Pokalfinale einziehen und hat als Ziel ausgegeben, in die Playoffs zu kommen, für die sich die vier besten Teams qualifizieren. Wie realistisch ist das?
Das wird sicher schwer, ist aber nicht unmöglich. Generell muss man abwarten, wie unsere Mannschaft und die Teams der anderen Vereine bis zum Saisonstart aufgestellt sein werden. Wiesbaden hatte in der letzten Saison viel Glück, wir dagegen waren vom Pech verfolgt, was Verletzungen angeht. Vielleicht haben wir ja auch mal Glück.
Im kommenden Spieljahr wird es wieder Thüringen-Derbys mit dem SWE Volley-Team Erfurt geben, das den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft hat. Freuen Sie sich schon darauf?
Natürlich. Diese Spiele sind in der Vergangenheit ja echte Klassiker gewesen. Das wird sicher wieder einen überdurchschnittlich hohen Zuschauerzuspruch geben. Mal sehen, welche Mannschaft Erfurt zusammenbekommt. Es wird drei Absteiger geben, der Kampf wird also härter. Wir freuen uns auf die Derbys.
In der neuen Saison wird es echte Playoffs geben, allerdings nur mit vier Mannschaften. Was halten Sie davon?
Diese Entscheidung ist inkonsequent. Wieder einmal. Das Programm in Hin- und Rückrunde ist so voll, dass Spielerinnen in vielen Vereinen an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit stoßen werden. Wir sind nun mal keine reine Profiliga. In den meisten Vereinen müssen die Mädels auch noch Ausbildung bzw. Studium nebenher stemmen. Eins von beiden wird immer leiden.
Nun sind die vielen Doppelspieltage auch dem späten Saisonstart nach der Weltmeisterschaft geschuldet.
Ja, richtig, aber was spricht dagegen, eine WM im Sommer durchzuführen oder eben eine Liga mit weniger Mannschaften zu spielen?
Was wäre aus Ihrer Sicht ein besseres Spielsystem gewesen?
Es wäre vernünftiger gewesen, die Liga der Frauen wieder auf zwölf Mannschaften zu reduzieren. Das haben wir als VfB Suhl schon mehrmals vorgeschlagen. Aber dazu hätte man das Rad ja zurückdrehen, und einzelne Herren hätten zugeben müssen, dass ihre Entscheidungen falsch waren. Es gibt doch nur deshalb nur drei Absteiger, weil zwei Plätze von unten nicht besetzt worden sind. Es gab keine Not zur Aufstockung der Liga. Wir waren diejenigen, die dagegen gestimmt haben. Und alle, die dafür waren, haben dem deutschen Volleyball geschadet.
Wie meinen Sie das?
Der normale Sportfan kann nicht nachvollziehen, warum es eine ständig wechselnde Anzahl von Mannschaften gibt und ein ständig wechselndes System, Meister und Absteiger zu ermitteln. Das kann für eine Randsportart wie Volleyball doch einfach nicht gut sein. Ich würde ja noch mit mir reden lassen, wenn diskutiert wird, ob man eine Meisterrunde oder echte Playoffs, also Ausscheidungsspiele, austrägt. Aber auf jeden Fall sollte es in der Frauen- und Männerliga einheitlich sein. Die Männer spielen schon seit Jahren Playoffs der ersten acht, wir jetzt mit vier Teams, weil wir einfach zu viele Spiele bereits in der Normalrunde austragen müssen. Den Sinn muss mir mal einer erklären.
Wofür würden Sie sich entscheiden, wenn Sie könnten?
Zwölf Teams mit Playoffs, also analog dem, was die Männer spielen. In der vergangenen Saison hätten, wie in diesem Jahr auch, planmäßig 16 Mannschaften in der Liga starten können. Von den Mannschaften der unteren Tabellenhälfte konnte nur Köpenick überhaupt ein Spiel gegen einen der ersten acht gewinnen. Das sagt doch alles über den Niveauverlust aus und wäre im Fußball, wo fast jeder jeden schlagen kann, undenkbar. Wir sollten eine relativ kleine, aber starke erste Liga mit einer eingleisigen zweiten Liga haben, die von unten nachdrängt, damit wir nicht in jedem Jahr erst einmal nachfragen müssen, ob überhaupt eine Mannschaft aufsteigen möchte.
Warum haben Sie für Ihre Vorschläge in den Bundesligaversammlungen keine Mehrheiten gefunden?
Die Mehrheiten sind doch immer schon vorher organisiert worden. Auf unsere Argumente ist man nicht mal eingegangen.
Haben Sie diese Erfahrungen auch als Politiker gemacht?
Es gibt schon Gemeinsamkeiten. Im Sport ist es sogar schwerer, Gegner zu erkennen, und man versucht auch offener, persönliche Vorteile zu realisieren.
Wer sind denn Ihre Gegner?
Wenn man ein Amt abgibt, sollte man Milde walten lassen. Ich werde deshalb niemanden persönlich benennen. Fakt ist, in meiner Zeit als Präsident habe ich immer versucht, unsere Interessen zu vertreten. Dies tun auch die Kollegen anderer Vereine zurecht. Auseinandersetzungen sind dabei normal. Man wird untergebuttert, wenn man nicht mit harten Bandagen kämpft. Ich konnte dies beim Ringen um einen fairen Spielplan, beim Kampf gegen Ausländerbegrenzungen, die gegen EU-Recht verstießen, Versuche unsere Halle als Schulturnhalle abzuqualifizieren oder auch bei der Problematik von Spielverlegungen und anderen Konfliktherden erleben. Ich bin mit Sicherheit niemand, der schnell klein beigibt, wenn ich davon überzeugt bin, im Recht zu sein.
Könnten Sie nicht eigene Allianzen schmieden?
Manchmal ist dies gelungen. Thorsten Endres, er ist Geschäftsführer der Liga, versucht, andere Standpunkte zu verstehen und zu vermitteln. Wenn andere dies ebenfalls versucht hätten, wäre mancher Streit vermeidbar gewesen. Werner Schauss als Bundesspielwart ist ein korrekter Mensch und hat immer auch meine Argumente ernst genommen.
Sie wollen Ihr Präsidentenamt abgeben. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Ich hoffe, das ändert sich so schnell wie möglich. Ich wollte ein frühes Signal geben, damit der Verein Zeit hat. Außerdem ist der Zeitraum nach Lizenzerteilung am einfachsten für einen Wechsel der Verantwortung. Ich werde wohl zukünftig meinen beruflichen Mittelpunkt nicht mehr in Suhl haben. Bis dahin sollte eine Lösung gefunden werden.
Woran hapert es?
Das kann ich gar nicht genau sagen. Man muss schon auch eine gewisse Härteverträglichkeit mitbringen, denn es gibt hier Leute, die nennen sich sogar Fans, die meinen alles Recht der Welt zu haben bis hin zu persönlichen Beleidigungen. Viele wissen alles ganz genau, was "man" mal machen müsste. Es ist aber ein Unterschied, bei Schwierigkeiten in der Verantwortung zu stehen oder schon immer gewusst zu haben, dass es nicht funktioniert. Man braucht Mut, Energie und Durchsetzungsvermögen. Gespräch: Claudia Fehse


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