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Doch die Fakten sprechen vor der am Samstag beginnenden WM in Khanty-Mansiysk eine andere Sprache: Pünktlich zur finalen Weltcup-Serie in Nordeuropa zeigte sich der Schmalkaldener von seiner besten Seite, gewann den Sprint in Östersund und stand zudem in Oslo zweimal auf dem Podest.
«Wer in Skandinavien nicht vorn dabei ist, der kriegt bis zur WM auch nicht mehr die Kurve», hatte Sven Fischer noch im Vorfeld gemutmaßt. Er hat die Kurve genau zum rechten Zeitpunkt bekommen - trotz über einwöchiger krankheitsbedingter Pause im Januar. In Hektik oder gar Panik verfiel der Skijäger vom WSV Oberhof aber nicht. «Ich kenne meinen Körper genau», sagt Sven Fischer, «und die Signale haben mich nicht getäuscht.» Es sei einfach nicht möglich, sich von Anfang Dezember bis Ende März in Top-Form zu präsentieren.
Dieses Kunststück gelang ihm im vergangenen Jahrzehnt jedoch wie keinem anderen. Bei der WM 1993 in Borovetz trat Sven Fischer erstmals ins Rampenlicht. Seither zählt er zur absoluten Weltspitze und gewann insgesamt 18 Medaillen bei Olympia sowie Weltmeisterschaften und triumphierte zweimal im Gesamtweltcup. Doch just in den Jahren, in denen er die Weltspitze wie heutzutage Ole Einar Björndalen beinahe nach Belieben dominierte, zeigte die Formkurve zum Höhepunkt des Winters oft leicht nach unten. «Als ich die Weltcup-Totalwertung gewann, war ich bei den Rennen vor Weihnachten fast immer unter den ersten Drei, kam mit dem Gelben Trikot zum Weltcup nach Oberhof und bin dann im Februar in ein Loch gefallen», rekapituliert Sven Fischer. Zum Saisonende hin brachte das 1,85 m große und 84 kg schwere Kraftpaket indes seine athletischen Vorzüge immer wieder zur Geltung.
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Keine Anspannung zu spüren
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Die entsprechenden Lehren hat der Vorzeige-Biathlet spätestens nach der WM 2000 gezogen. Zum von ihm geliebten Holmenkollen reiste er als Top-Favorit, blieb jedoch ohne Edelmetall. Folglich richtete Sven Fischer danach den Blick verstärkt auf die jährlichen Titelkämpfe und ließ es seitdem zu Saisonbeginn langsamer angehen. Mit Erfolg: Ein Jahr später gewann er zweimal WM-Bronze und zuletzt bei Olympia in Salt Lake City konnte er sogar «Überflieger» Ole Einar Björndalen läuferisch das Wasser reichen. In diesem Winter mussten die Kräfte aufgrund des ungewohnt späten WM-Termines noch besser eingeteilt werden. Bewusst nahm er nach dem Sprint-Triumph in Östersund in den folgenden Rennen den Fuß vom Gas.
«Ich bin mit meinen 31 Jahren auch nicht mehr der Jüngste», stellt er schmunzelnd fest und deutet auf den nach oben gewanderten Haaransatz. Mit seinem Alter liegt er aber nur unwesentlich über dem Durchschnitt der weltbesten Biathleten. Dratschew, Tschepikow, Ryschenkow oder Luck haben noch ein paar mehr Lenze auf ihrem Buckel.
Nach erfolgter Akklimatisierung im westsibirischen WM-Ort sieht Sven Fischer den ersten Entscheidungen am Wochenende mit Sprint und Verfolgung gelassen entgegen. «Von mir aus kann’s losgehen», ließ er gestern keinerlei Anspannung spüren. Beim Eintreffen am Montagabend in Khanti Mansiysk zeigte das Thermometer milde minus sechs Grad. Tendenz leicht fallend.
Der Optimismus des Modell-Athleten ist durchaus berechtigt, denn schon einmal wurden Weltmeisterschaften am Saisonende zu wahren Fischer-Festspielen. 1999 kletterte er Mitte März bei den nachzuholenden Rennen über 20 km und im Massenstart am Holmenkollen jeweils auf das höchste Treppchen und ließ sich doppelt mit WM-Gold dekorieren. Jetzt sei die Situation aber eine andere, so Sven Fischer: «Damals galten Konzentration und Formaufbau zunächst ganz der WM im Februar in Kontiolahti, wo wegen der bitteren Kälte jedoch nicht alle Wettbewerbe ausgetragen werden konnten. In diesem Winter hat jedoch jeder von Beginn an das Hauptaugenmerk auf den März gelegt.»


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