«Dass ihr alten Hund noch so laufen könnt», bejubelte Co-Trainer Fritz Fischer die 111. deutsche Biathlon-Medaille bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, nachdem er seinem Chef Frank Ullrich um den Hals gefallen war. Schlussläufer Frank Luck zog mit seinem zehnten WM-Sieg und der insgesamt 19. WM-Medaille an Bundestrainer Frank Ullrich vorbei, der neun Titel auf seinem Konto hat.
Als erfolgreichster WM-Starter in Sibirien steht bereits vor dem Massenstart-Rennen Ricco Groß mit zwei Mal Gold sowie je einer Silber- und Bronzemedaille fest. «Die heute war die Schönste, nicht nur weil es die Letzte war, die immer am schönsten ist, sondern weil wir sie als Team erkämpft haben», erklärte der einzige Bayer im Quartett. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir in der gleichen Besetzung auch bei der WM im kommenden Jahr in Oberhof dabei sind.»
Startläufer Peter Sendel schoss makellos und wechselte als Dritter, 10,7 Sekunden hinter den führenden Schweden. «Ich habe bewusst langsam geschossen, um den Nuller zu sichern», sagte er. Sven Fischer eroberte trotz vier Nachladern die Spitze, gab Ricco Groß aber nur winzige 0,3 Sekunden vor Russland mit auf den Weg. «Ich musste dafür auf der Strecke ordentlich keulen», bekannte «Fisch». Groß wollte Sergej Roschkow zunächst führen lassen, doch der nahm das «Friedensangebot» nicht an. Der Ruhpoldinger brauchte eine Reservepatrone und hatte nach seinem Abschnitt 15,1 Sekunden Vorsprung.
Den baute Frank Luck mit fehlerfreiem Liegendschießen noch aus. Doch dann benötigte er stehend alle drei Reserveschüsse. Die achte Patrone rutschte ihm beim Nachladen aus der Hand und der Team-Oldie benötigte einige Zeit, sie aufzuheben. «So eine Scheiße. Auf der glatten Matte bekam ich die Patrone einfach nicht zu greifen», beschrieb er die Situation.
Bundestrainer Frank Ullrich musste in dem spannenden Rennen Nüsse als Nervennahrung knabbern. «Ich dachte ich werde verrückt, als der 'Alte' seine Patrone nicht aufheben konnte. Er war so langsam, wie andere ihre Heidelbeeren sammeln», schimpfte er. «Das sah nach außen wohl viel ruhiger aus, als ich innerlich war», ließ Luck wissen, dessen Vorsprung vor den letzten 2,5 km dadurch von über 40 auf magere 5 Sekunden zusammen schrumpfte. Siegessicher sei er gewesen, als er nach energischem Anrucken auf dem ersten Anstieg dem russischen Schlussläufer Sergej Tschepikow wieder etwas davon laufen konnte. «Ich wollte genug Zeit haben, um eine deutsche Fahne zu greifen, denn vor sechs Jahren in der Slowakei war es noch knapper», scherzte Luck im Ziel mit der Flagge in der Hand.
Als Luck dem Ziel entgegen stürmte, genoss der Bundestrainer den Erfolg. «Die Männer haben heute als homogene Truppe ihr Meisterstück gemacht», betonte Ullrich, dessen taktische Ausrichtung auf sicheres Schießen goldrichtig war. «Ich hatte als Zielstellung maximal sechs Nachlader ausgegeben. Die acht benötigten sind auch in Ordnung, denn läuferisch und vom Ski-Material her waren wir gut dabei. So schlecht kann unsere Saisonplanung also nicht gewesen sein», stellte Ullrich zufrieden fest. Schließlich war er wegen des Festhaltens an den «Alten» selbst heftig kritisiert worden.


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