Am Vortag hatte die nach einem Dopingfall erst unmittelbar vor der WM von der Internationalen Biathlon-Union freigesprochene Russin Albina Achatowa den Massenstart der Damen über 12,5 km gewonnen. Sie verwies ihre ebenfalls fehlerfrei schießende Team-Kollegin Swetlana Ischmuratowa sowie die Französin Sandrine Bailly auf die weiteren Medaillen-Ränge. Die deutschen Damen vergaben ihre Chancen erneut am Schießstand. Katja Beer (Altenberg) kam mit zwei Schießfehlern als Beste auf Rang sechs. Uschi Disl (Moosham) war wieder Laufschnellste, hatte aber einmal mehr ihre Nerven nicht im Griff und belegte nach 7 Strafrunden nur den 21. Rang. Noch einen Platz dahinter kam mit der drittschnellsten Laufzeit und 6 «Fahrkarten» in ihrem Problemanschlag liegend Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) ins Ziel.
Die deutschen Männer feierten mit dem Sieg von Ricco Groß (Ruhpolding) in der Verfolgung, seinem zweiten Platz im Sprint und Rang drei im Einzelrennen sowie dem Staffeltitel und Fischers Silber ihr bestes WM-Abschneiden seit 1999. Das zuvor hoch gewettete Damenteam fuhr mit Staffel-Bronze sowie dem Sieg von Martina Glagow (Mittenwald) im Jagdstart das schlechteste WM-Resultat seit 1979 ein. «Molli» Glagow krönte ihre überragende Saison immerhin mit dem Gewinn des Gesamtweltcups - als erste deutsche Biathletin.
Erfolgreichster Skijäger der WM war Ricco Groß. Der 32-jährige Wahl-Bayer aus dem sächsischen Schwarzenberg erntete die Früchte seines konsequent auf die WM ausgerichteten Trainings und der ständigen Forderungen nach optimalem Ski-Material. Nicht zuletzt wegen seiner Kritik wurde eigens der Oberhofer Wachser Enrico Heisig - sonst Betreuer von Kombinierer-Weltmeister Ronny Ackermann - als fünfter Ski-Techniker nach Sibirien beordert. «Das hat sich hundertprozentig gelohnt. Ich hatte immer prima Ski», lobte Groß.
Zweiter großer Gewinner der WM ist Herren-Bundestrainer Frank Ullrich, dessen Saisonplanung voll aufging. Nach der Kritik im Januar von DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller und der Ankündigung, nach der Saison auch die Trainer auf den Prüfstand stellen zu wollen, hatte sich Ullrich einen Tag lang mit Rücktrittsgedanken getragen und diese Entscheidung seiner Frau bereits mitgeteilt. «Doch das wäre Fortlaufen vor der Verantwortung gewesen. Zudem habe ich an meine Trainingskonzeption geglaubt», begründete er. Die jetzt anstehenden Gespräche kann Ullrich nun aus einer gestärkten Position führen.
Das Staffel-Gold beseitigt aber nicht alle Probleme bei den Herren. Frank Luck, der mit seinem zehnten WM-Titel an Frank Ullrich (9 WM-Siege) vorbeizog und nun erfolgreichster deutscher Biathlet in der WM-Geschichte ist, Sven Fischer und Peter Sendel hatten zu oft in diesem Winter schlechte Ski. «Bei der Leistungsdichte kannst du aber nur vorn dabei sein, wenn das Material hundertprozentig passt», meinte Luck. Von den Vorstellungen des DSV auf diesem Gebiet, der neuen Trainingskonzeption für die Saison 2003/04 sowie der eigenen Motivation will es der 35-Jährige abhängig machen, ob er noch einen Winter mit der Heim-WM in Oberhof dranhängt.


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