Der Schmalkalder Ehrenbürger und Spitzenbiathlet Sven Fischer hat eine Tonne Lachs gespendet – halbe-halbe für Seniorenheime in Deutschland und Norwegen.
„Fischer und Lachs, das passt irgendwie zusammen“, scherzte die Geschäftsführerin des Seniorenheimes, Loni Landrock, als der Sportler den fünf Kilogramm schweren Salm übergab und fügte hinzu: „Er hat den Namen Schmalkaldens in die Welt hinausgetragen und sein großes soziales Engagement ehrt unseren Ehrenbürger besonders. Die halbe Tonne Lachs, die an insgesamt 28 Seniorenheime rund um den Rennsteig geht, zeigt auch, dass er bodenständig geblieben ist.“
Die Dankesworte von Schwester Anneliese Mäder, heute selbst Bewohnerin des Seniorenheimes, waren zwar leise, doch Fischer fühlte sich in seiner Botschaft bestärkt: „Ich habe mich schon für Kinder engagiert, jetzt wollte ich etwas für die alten Menschen tun. Sie waren es, die mit ihrer Aufbauleistung unseren Wohlstand überhaupt erst ermöglicht haben. Das wird leider oft vergessen.“
Und auch Landrat Ralf Luther (CDU) befand: „Er hätte seine Familienkasse aufbessern und den Fisch über seinen Vater verkaufen lassen können.“ Den Lachs pfundweise zu verhökern – wie ein Krämer Heringe – das ist nicht Fischers Art. Ganz spontan hatte er sich im Februar 2003 zu der Spendenaktion entschieden, als er in Ruhpolding von Norwegens Botschafter Björn Tore Godal mit dem „Goldenen Lachs“ geehrt wurde.
Der „Goldene Lachs“ – das ist keineswegs eine Extratrophäe für den Biathleten mit der größten Medaillenausbeute, sondern für einen Menschen, der sich um die norwegisch-deutsche Freundschaft verdient gemacht hat.
Vor Sven Fischer hatten die Journalisten Günther Jauch und Sandra Maischberger die Unikate mit Edelmetallhaut erhalten und damit keinen schlechten Fang gemacht. Denn als Naturalienzugabe durften sie eine Tonne des Edelfisches in Empfang nehmen. Für Fischer als dritten Preisträger sprachen neben seinen Erfolgen am Holmenkollen nicht nur seine sehr guten norwegischen Sprachkenntnisse und seine frühere Freundschaft zur einer einheimischen Skijägerin, sondern auch die Liebe zu Land und Leuten in seinem Urlaubsland Norwegen.
Dennoch ist mit dem vom norwegischen Ausschuss für Fisch und Meeresfrüchte zur Verfügung gestellten Lachs auch ein bisschen Eigenwerbung verbunden. „Die Norweger essen sehr viel Lachs, auch Ole Einar Björndalen. Vielleicht ist er deswegen ein bisschen schneller als die deutschen Biathleten“, pries Fischereiattaché Martinussen dessen Vorzüge. Dennoch seien auch die Deutschen auf den Appetit gekommen. Ein großer Teil der norwegischen Produktion von rund 500 000 Tonnen Zuchtlachs pro Jahr landet in deutschen Küchen. Die Fische reifen dabei in Lachsfarmen heran, die streng von den Gesundheitsbehörden kontrolliert werden und bei denen heute keine Antibiotika mehr eingesetzt werden“, unterstrich Martinussen.
Auch wenn die Fjordforelle in der Kundengunst weiter zugelegt hat und auf Platz zwei der Zuchtfische liegt, wird sie dem Lachs nicht den Rang abschwimmen. Ihr droht vielmehr Gefahr durch einen nach vorn rückenden Konkurrenten, der bislang weniger als Gehegefisch bekannt ist: den Kabeljau, dessen natürliche Bestände kleiner geworden sind.
Fischers Lachsspende habe den alten Menschen in Norwegen bereits sehr gut gemundet, so Martinussen „Er sollte vielleicht auch das eine oder andere Kilo selbst essen, denn er war schon muskulöser“, stellte er fest.
Doch Fischers Schmalheit hat weniger mit seinen Essgewohnheiten zu tun, als vielmehr mit der alten Saison und der Aufbauphase für die neue. Im Trainingslager bei Frankfurt/Oder hat er sich die Hände bei den Übungen auf Skirollern und im Kanu förmlich wundgepaddelt. „Vor allem das Rollertraining war hart. Ich muss jetzt langsam wieder Muskelmasse aufbauen“, erklärte der Schmalkalder, der kein Kostverächter ist, und neben Hühnchenfleisch und selbst geschossenem Wildbret sehr wohl den schmackhaften Lachs zu schätzen weiß. „Ich mag Lachs. Und das nicht erst, seitdem ich den ersten Wildlachs in der Natur gesehen habe und fasziniert war“, so der Athlet.
Unterdessen ist die norwegisch-deutsche Versorgungsstaffel für die Lachsverteilung aufgestellt. Die Seniorenheime in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen, dem Wartburgkreis und der kreisfreien Stadt Suhl können ihre Fische nach Absprache ordern.
Landrat Ralf Luther nutzte die Gelegenheit, Terje Martinussen jenen als „Oberhofer Treffer“ bekannten Band zu übergeben, in dem Autoren unserer Zeitung Biathlongeschichte geschrieben haben. „Ich hätte ihn Volltreffer genannt“, so der Landrat, der Martinussen bat, beim nächsten Mal doch unbedingt länger im schönen Urlaubsland Thüringen zu verweilen und bei ihm vorbeizuschauen. Er persönlich möge Norwegen, so der Landrat. Nur der Alkohol sei doch sehr teuer. Darauf konterte der Attaché ganz diplomatisch. „Dafür ist der Lachs billig.“ THOMAS HEIGL

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