SAN SICARIO – „Wenn man eine Medaille gewinnt, nimmt man das alles gerne in Kauf“, sagte der stets besonnene Skijäger aus Schmalkalden am Tag nach dem dramatischen Verfolgungs-Rennen beim lockeren Training. Er schränkte aber zugleich ein, dass dies nur möglich sei, da die Wettkampfpausen recht groß sind: „Wenn nur ein oder zwei Tage dazwischen liegen würden, hätte ich die Siegerehrung bestimmt boykottiert. Denn die ganze Fahrerei behindert schon enorm beim Regenerieren.“

Freunde: Als Erstes gratuliert Sven Fischer (rechts) dem Sieger Vincent Defrasne. FOTO: dpa
Bild:
Vor zwölf Jahren gewann Sven Fischer mit Bronze im Einzel seine erste olympische Medaille. Sieben weitere, davon drei goldene und zwei aus Silber, ließ er einschließlich des Jagdstarts am Samstag folgen und ist nunmehr der erfolgreichste deutsche Biathlet bei Olympia. „Natürlich bin ich absolut glücklich, dass es am Ende noch zu einer Medaille gereicht hat“, erstickte der neue Weltcup-Spitzenreiter sofort die Fragen ob der rasch verspielten glänzenden Ausgangssituation nach dem Triumph im Sprint. Mit jeweils zwei Fehlern im Liegendanschlag verlor der 34-jährige Routinier zunächst gehörig an Boden und den Kontakt zur Spitze. „Ich weiß auch nicht, was da los war“, sagte er und flüchtete sich in Sarkasmus: „Lieber zwei Fehler als drei.“
Mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen im Stehendanschlag meldete er sich in einem von vielen Positionswechseln gekennzeichneten Rennen aber wieder eindrucksvoll zurück und ging als Vierter unmittelbar vor dem lange Zeit führenden Halvard Hanevold auf die Schlussrunde. „An dem knalle ich gleich vorbei, egal ob er sich ranhängt oder nicht“, beschrieb Sven Fischer seine Gedanken vor dem entscheidenden Angriff am ersten Berg. Der Norweger konnte den kraftvollen Antritt nicht im Ansatz parieren. Im Ziel warteten wieder die Eltern. Mutter Helga hatte ein Extra-Präsent parat: Ein Geschenk von Töchterchen Emilia Sophie und Freundin Doreen, das der Fanclub mitbrachte. Die Zweijährige hatte dem Papa ein Bild gemalt und die Lebensgefährtin Süßigkeiten und Gummibärchen eingepackt.
Der dramatische Kampf um Gold wurde erst auf der Zielgeraden entschieden. Dort rang unter dem frenetischen Jubel der französischen Fans Vincent Defrasne den entkräfteten Ole Einar Björndalen nieder. „Es war schrecklich für mich. Ich war auf den letzten Metern total leer, konnte mich kaum noch auf den Beinen halten“, meinte der enttäuschte Björndalen. Nur 15,6 Sekunden später stürmte Sven Fischer heran. Nicht auszumalen, er hätte nur drei Scheiben verfehlt… THOMAS SPRAFKE

Drucken
Speichern
Versenden













