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Erschienen am 30.07.2009 00:00
"Ich hatte Angst um meine Eltern"
Biathlon | Die Dopingvorwürfe haben Frank Ullrich hart getroffen. Er will die Angelegenheit aber ruhen lassen.

Suhl - Drei Monate lang hatte Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich praktisch geschwiegen. Nachdem ihn am Wochenende eine

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"Meine ganze Konzentration muss jetzt dem Sport gelten." Bundestrainer Frank Ullrich will nun eine starke, intakte Mannschaft nach Vancouver führen.
Bild: König
fünfköpfige Expertenkommission vom Vorwurf entlastete, als Trainer zu DDR-Zeiten weder die Einnahme von Dopingmitteln angewiesen noch kontrolliert zu haben, sprach der 51 Jahre alte Suhler nun mit unserer Zeitung.

Wie stark haben die Anschuldigungen an Ihnen genagt?

Sie waren nach dem Tod meiner ersten Frau und meiner Schwester eine der schwersten Situationen in meinem Leben. Ich bin zwar gegen solche Anfeindungen schon etwas resistenter, denn bereits Mitte der 90-er Jahre wurde ich von der Sportbild denunziert. Die dreiste Behauptung lautete damals, dass der Tod meiner Frau im Zusammenhang mit Doping steht. Nun wurde ich von Jürgen Wirth und der ARD-Doping-Redaktion an den Pranger gestellt und mit Dingen konfrontiert, die über 20 Jahre zurückliegen. Wie im Fall der angeblichen Blutbank-Affäre in Wien, die sich zur Weltmeisterschaft 2008 gegen eine Vielzahl unserer Athleten richtete, erwiesen sich die Anschuldigungen abermals als absolut haltlos. Das ist Rufmord. Doping-Verfehlungen, ob in der Gegenwart oder Vergangenheit, müssen selbstverständlich aufgearbeitet werden. Aber hier ist mein Name missbraucht worden.

Werden Sie weiterhin gerichtlich gegen Herrn Wirth oder die Redakteure vorgehen?

Ich lasse die Sache jetzt ruhen. Meine ganze Konzentration muss jetzt einzig dem Sport gelten. In einem halben Jahr stehen schließlich Olympische Spiele an. Falls aber die Gegenseite ihre Stänkereien nicht beendet, werde ich zu gegebenem Zeitpunkt wieder aktiv werden. Ich spüre allerdings keine Rachegelüste gegen Jürgen Wirth. Er wurde doch nur als Marionette benutzt.

Geben Sie der ARD noch Interviews?

Man sollte da schon differenzieren. Die Reporter und Kommentatoren wollen unseren Sport zu den Fans transportieren, wollen den Menschen Spaß und Freude vermitteln. Diese Leute machen einen guten Job.

Wie nah sind die schweren Vorwürfe Ihrer Familie gegangen?

Ich hatte vor allem Angst um meine Eltern. Mein Vater ist 85 Jahre und meine Mutter wird bald 80. Die Vorwürfe haben sie getroffen wie der Blitz. Auch meine Frau hat darunter sehr gelitten. Ich habe versucht, meinen Job durchzuziehen und die Sache nicht an die Mannschaft ranzulassen. Meiner Familie und mir ist in dieser schweren Zeit aber auch sehr viel Zuspruch widerfahren, was uns überrascht hat und wofür wir uns bedanken möchten. Auch jetzt nach der Urteilsverkündung habe ich unzählige Anrufe und E-Mails bekommen. Viele Leute sagten mir sogar, dass ich nach dem Olympia-Winter nicht als Bundestrainer aufhören soll und darf.

Denken Sie jetzt ernsthaft darüber nach, von dem vor einem Jahr angekündigten Rücktritt abzurücken?

Der gewaltige Zuspruch hat mich tatsächlich zum Nachdenken animiert. Doch ich will das Thema gar nicht so hoch hängen. Bis zum Ende des Winters möchte ich meine ganze Energie in die Mannschaft stecken. Ich werde nach der Saison gewiss nicht mehr Bundestrainer sein. Es ist aber nun viel wahrscheinlicher, dass ich dem Biathlonsport weiter verbunden bleibe.

In welcher Form?

Das wird man sehen.

Als Funktionär?

Möglicherweise.

Gab es Anfragen aus anderen Bereichen wie der Politik oder der Wirtschaft?

Einige wenige.

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Wie ist die Saison angelaufen?

Planmäßig. Wir haben uns im vergangenen Winter eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet und sind mit einer Mannschaft aus erfahrenen und jungen Athleten solide aufgestellt. Selbst Nachwuchsathleten wie Simon Schempp oder Erik Lesser haben sich prima integriert. Es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf.

Die bayerische Fraktion um Michael Greis macht also keine Alleingänge mehr?

Ihm als älteren Athleten stehen solche Extratouren durchaus zu. Aber eben nicht allen Sportlern. Die Situation ist vor einem Jahr leider etwas aus dem Ruder gelaufen. Andererseits haben junge Athleten wie Arnd Peiffer auch von der Lücke profitiert, die sich dadurch plötzlich in den Lehrgängen aufgetan hat.

Würden Sie von einem Ost-West-Konflikt sprechen, der vor einem Jahr wieder aufgebrochen ist?

Nennen wir es nicht Konflikt, sondern Konkurrenz zwischen den Stützpunkten, die sich in der vergangenen Saison etwas hochgeschaukelt hat. Jetzt hat sich Situation glücklicherweise wieder normalisiert. Beim Rad-Lehrgang im Mai in Sardinien waren alle Athleten dabei. Im August trennt sich die Truppe dann noch einmal. Vor den Deutschen Meisterschaften auf Skirollern kommen aber alle wieder zusammen.

Wohin führen die verschiedenen Wege im nächsten Monat?

Die Gruppe aus Bayern reist für zwei Wochen zum Radfahren nach Bormio, die aus Oberhof, Altenberg und Clausthal-Zellerfeld nach Andermatt und Haute-Maurienne.

Mit welchen Zielen gehen Sie in den Olympia-Winter?

Wir wollen in Vancouver unsere Präsenz in der Weltspitze mit Medaillen dokumentieren. Aber das wird knochenhart. Der Siegeszug wie 2006 in Turin, wo wir vier von fünf Goldmedaillen gewinnen konnten, wird einmalig bleiben.

Interview: Thomas Sprafke

 
 

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